Wenn es in Gesprächen um die Briten geht, werden die Begrifflichkeiten gern durcheinandergebracht oder gar als Synonyme gebraucht. Ohne dabei zu weit in die Geschichte zurückzugehen, wollen wir in diesem Artikel versuchen, ganz simpel die Unterschiede aufzuzeigen, damit Sie so richtig auftrumpfen können, wenn das Thema beim nächsten Mal auf den Tisch kommt.
Annette Dittert schreibt in ihrem Buch Dear Britain: „Selbst die klügsten meiner Freunde bezeichnen gelegentlich gleich Großbritannien insgesamt als England und andersherum. Was auch damit zusammenhängen mag, dass die Engländer selbst gern ihre englische mit der britischen Identität vermischen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Alle Engländer sind Briten, die Briten sind aber nicht alle Engländer, sondern wahlweise auch Schotten, Nordiren oder Waliser.“
Zum Mitschreiben
Fangen wir bei England an. England ist kein eigenständiger, unabhängiger Staat, sondern ein einzelnes Land. Die Hauptstadt ist London. Da England aber auch Teil des Vereinigten Königreichs ist, ist London auch die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs.
Großbritannien ist die geografische Bezeichnung für die Insel, auf der England, Schottland und Wales liegen. Zusammen mit Irland, der Isle of Man, den Kanalinseln sowie zahlreichen weiteren Inseln gehört Großbritannien zum Archipel der Britischen Inseln. Der Begriff Großbritannien wurde bereits vor 1707 verwendet. Schon 1604 bezeichnete sich König Jakob I. als König von Großbritannien. Erst durch die Acts of Union von 1707 wurden England und Schottland jedoch zu einem gemeinsamen Königreich namens Great Britain vereinigt. Bereits seit 1603 hatten beide Länder einen gemeinsamen Monarchen, waren bis 1707 aber rechtlich getrennte Königreiche.
Das Vereinigte Königreich (UK) ist ein souveräner Staat, der aus England, Schottland, Wales und Nordirland besteht. Es ist eine konstitutionelle Monarchie mit parlamentarischem Regierungssystem.
Im Rahmen der Devolution – also der Übertragung von Zuständigkeiten – hat das Vereinigte Königreich zahlreiche Befugnisse an die einzelnen Landesteile abgegeben. Dazu gehören beispielsweise Bereiche des Gesundheitswesens, des Bildungssystems und der Infrastruktur. Über diese Angelegenheiten entscheiden die jeweiligen Parlamente und Regierungen grundsätzlich selbst.
Schottland, Wales und Nordirland verfügen über eigene Parlamente beziehungsweise eine eigene Assembly. Für England gilt das nicht, da es kein eigenes nationales Parlament und keine eigene nationale Regierung besitzt. Deshalb ist die britische Regierung für die nicht übertragenen Angelegenheiten Englands zuständig. Zusätzlich gibt es in England regionale und lokale Verwaltungsorgane.
Bei einer solchen politischen Konstruktion sind Spannungen nicht überraschend, da es sowohl im Kleinen als auch im Großen zu einem Ungleichgewicht kommen kann. Die Zuständigkeiten sind außerdem nicht in allen Landesteilen gleich verteilt. Das britische Parlament bleibt für bestimmte Bereiche zuständig und ist rechtlich weiterhin souverän.
Während Schottland, Wales und Nordirland in wesentlichen Bereichen selbst über ihr Schulsystem entscheiden, liegen die entsprechenden Zuständigkeiten für England bei der britischen Regierung und dem Parlament in Westminster. Im britischen Unterhaus können allerdings auch Abgeordnete mit Wahlkreisen in Schottland, Wales und Nordirland über Gesetze abstimmen, die ausschließlich England betreffen – eine Besonderheit, die als „West Lothian Question“ bekannt ist und seit Jahrzehnten politisch diskutiert wird.
Besonders deutlich wurde das Spannungsverhältnis beim Brexit. Schottland stimmte 2016 mit 62 Prozent für den Verbleib in der EU. Da das Vereinigte Königreich insgesamt jedoch für den Austritt stimmte, musste Schottland den Brexit gegen den Willen der Mehrheit seiner Bevölkerung mitvollziehen.
Ein eindrucksvolles Zeichen gemeinsamer Anteilnahme war The Queue, jene kilometerlange Schlange, die sich während der knapp fünftägigen Aufbahrung von Königin Elizabeth II. im September 2022 bildete. Menschen aus allen Landesteilen, unterschiedlichen Alters und gesellschaftlicher Herkunft warteten geduldig gemeinsam und friedlich, um sich von der Monarchin zu verabschieden.
Ein paar Zahlen zum Vergleich
Dass England die meisten Einwohner im Vereinigten Königreich hat, kann man sich vielleicht noch denken, aber hätten Sie gewusst, dass England tatsächlich fast 85 Prozent der Gesamtbevölkerung des Vereinigten Königreichs ausmacht? Allein in England leben rund 58,8 Millionen Menschen. Die Landesteile Schottland, Wales und Nordirland liegen weit dahinter. Schottland wartet mit 5,5 Millionen Einwohnern auf, gefolgt von Wales (rund 3,2 Millionen) und Nordirland (1,9 Millionen) – Stand 2025.
Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs ist König Charles III., Regierungschef ist aktuell Premierminister Andy Burnham.
Nun wissen Sie Bescheid: England ist ein einzelner Landesteil, die Insel Großbritannien umfasst England, Schottland und Wales und beim Vereinigten Königreich kommt noch Nordirland dazu. Oder wie Annette Dittert schreibt: „Eigentlich ist es ganz einfach.“


Suche







Leserbriefe (0)
Keine Leserbriefe gefunden!