Haben Sie auch schon mal in einer Londoner U-Bahn-Station gestanden und sich darüber gewundert, dass Sie mit Ihrem Schul-Englisch zu abstrusen Übersetzungen kommen, wenn Sie die Ausrufe, die um Ihre Ohren sausen, wörtlich nehmen? Vielleicht fuhr die Bahn gerade ein und jemand rief „Leg it!“. Einerseits kann das bedeuten, dass es klug wäre, sich schnell aus dem Staub zu machen, andererseits handelt es sich um eine gängige Phrase, wenn es gilt, den Bus oder die Bahn noch zu erwischen. Es bedeutet so viel wie: „Lauf, so schnell du kannst!“
Möglicherweise haben Sie auch einen Gruß zwischen zwei Personen gehört und sich gewundert. „You alright?“ wird gerne anstelle eines einfachen Hallo genutzt. Eine Antwort darauf ist nicht nötig, weil es nicht als Frage verstanden wird. Wenn die U-Bahn einfährt, haben Sie sicher schon häufig die Aufforderung „Mind the gap!“ aus dem Lautsprecher vernommen – eine der wohl berühmtesten Phrasen Londons, die uns vor der Lücke zwischen Bahn und Bahnsteig warnt.
Und überall schwirrt das wohl meistgenutzte Wort in der Luft herum: „Sorry!“ Britinnen und Briten entschuldigen sich permanent, egal, ob sie jemanden versehentlich anrempeln oder eigentlich rein gar nichts passiert ist. „Sorry“ passt in Großbritannien in jeder Situation. Es gehört fest zum täglichen Sprachgebrauch. Wenn Sie gerade erst beschlossen haben, Englisch zu lernen, ist dies das erste Wort, das Sie sich merken sollten.
Besuch im Restaurant
„Fancy a cuppa?“ bedeutet so viel wie „Hast du Lust auf eine Tasse Tee?“. Vielleicht ist die Antwort darauf auch: „I‘m peckish!“, dann hat die Person, der Sie zuvor die Frage gestellt haben, zudem ein wenig Hunger auf eine Kleinigkeit, ein Sandwich oder einen Snack. Zeit also, irgendwo einzukehren.
Vielleicht ist die Location, die Sie betreten, ein wenig heruntergekommen oder Ihnen nicht ganz geheuer, dann ist sie „dodgy“. Ist etwas nicht so ganz Ihr Ding, oder entspricht es nicht Ihrem Geschmack, dann können Sie erneut auf die Teetasse zurückgreifen und sagen: „It‘s not my cup of tea.“ Aber vielleicht gefällt Ihnen das Restaurant oder das Pub und Sie bleiben. Sie vertrödeln etwas Zeit („faff around“), und irgendwann müssen Sie zur Toilette. Dann sollten Sie insbesondere in London nicht nach einem Restroom oder Bathroom fragen, sondern nach „the loo“.
Falls Sie zuvor schon den ganzen Tag herumgelaufen sind, fühlen Sie sich möglicherweise erschöpft und erledigt – dann sind Sie „knackered“. Vielleicht sind Sie auch genervt („cheesed off“). Sie sehen, auch im Pub hilft einem das Englisch, das man in der Schule gelernt hat, nur bedingt weiter. Übrigens werden im Pub alle zum „Mate“, sprich, zum Kumpel oder Freund. Gezahlt wird schließlich mit Quid, was dem britischen Pfund entspricht (ten quid sind zehn Pfund).
Ganz einfach
„Bob’s your uncle!“ Dieser häufig verwendete Satz beendet eine Anweisung. Man kann ihn mit „Ganz einfach!“ oder auch mit „Fertig, aus!“ übersetzen. Ebenfalls ganz einfach sind im Grunde genommen die Redewendungen, die wir alle kennen. Wir haben Ihnen einige der bekanntesten zusammengestellt:
- A blessing in disguise – Glück im Unglück
- Speak of the devil – Wenn man vom Teufel spricht
- Break a leg – Hals- und Beinbruch
- Ten a penny – Wie Sand am Meer
- Better late than never – Besser spät als nie
- To cut a long story short – Kurz gesagt
- So far so good – So weit, so gut
Aber wenn Sie glauben, Sie wüssten jetzt alles über umgangssprachliche Redewendungen, dann bellen Sie den falschen Baum an. Was damit gemeint ist? Befindet man sich in Großbritannien auf dem sprichwörtlichen Holzweg, dann wird das als „barking up the wrong tree“ bezeichnet. Und wenn Sie der Meinung sind, wir würden hier auf etwas herumreiten, dann schlagen wir auf der Insel ein totes Pferd, denn dort spricht man von „flog a dead horse“. Zugegeben, wir nehmen den Mund etwas zu voll. Die Engländerinnen und Engländer sagen, man beißt mehr ab, als man kauen kann: „Bite off more than you can chew!“ Also holen wir lieber schnell die Kuh vom Eis. In Großbritannien nimmt man dazu die Kastanien aus dem Feuer („pull the chestnuts out of the fire“).
Unseren Sturm im Wasserglas findet man in England in der Teetasse („storm in a teacup“) und wenn wir sagen, dass ein Unglück selten allein kommt, dann spricht man dort davon, dass es gießt, wenn es regnet („when it rains it pours“). Kostet uns etwas ein Vermögen, dann kostet es die Britinnen und Briten einen Arm und ein Bein („costs an arm and a leg“) und wenn wir etwas im Handumdrehen erledigen, erfolgt das in England während des Falls eines Hutes („do something at the drop of a hat“). Bei uns fallen dort Späne, wo gehobelt wird, während man in Großbritannien kein Omelett machen kann, ohne Eier zu zerbrechen („you can’t make an omelette without breaking some eggs“). Verliebte Engländerinnen und Engländer schweben übrigens auf Wolke neun und nicht auf Wolke sieben. Vielleicht ist das nicht schlecht, sonst würde es auf Wolke sieben hin und wieder ganz schön eng werden.
Haben Sie noch Lust, weiter Englisch für den täglichen Sprachgebrauch zu lernen oder glauben Sie, dass Sie den Zug bereits verpasst haben („miss the boat“)? Dazu würde der Volksmund wohl sagen: „No pain, no gain (ohne Fleiß kein Preis)!“ Aber wir möchten Sie lieber damit ermutigen, dass es eigentlich gar nicht so schwer ist, indem wir sagen: „It‘s not rocket science.“ Eigentlich ist es ein Kinderspiel, oder im Englischen „a piece of cake (ein Kuchenstück)“, und wir finden, damit treffen wir den Nagel auf den Kopf („hit the nail on the head“). Zur Not muss man eben hin und wieder in den sauren Apfel beißen oder in England in die Kugel („bite the bullet“). Und falls das alles jetzt zu viel war, entschuldigen wir uns und kommen zurück zu Lektion eins, dem wichtigsten Wort der Britinnen und Briten und sagen: „Sorry!“


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