Mit Songs wie „White Wedding“, „Eyes Without A Face“ – und natürlich jenem rebellischen Schlachtruf – wurde Billy Idol zur Legende. Am 30. November 2025 feiert er seinen 70. Geburtstag. Geboren wurde er 1955 in Middlesex als William Michael Albert Broad – und machte später als platinblonder Rebell Weltkarriere.
Zwischen zwei Welten
Seine Kindheit war von Ortswechseln geprägt. Denn als er zwei Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern in die USA. Die Familie kehrte vier Jahre später nach England zurück. Schon bald hieß er in der Schule „der Yank“ und auf dem Schulhof machten sie sich über seinen amerikanischen Akzent lustig. Die Erfahrung, nicht richtig dazuzugehören, sollte sein Leben prägen. Und die Sympathie für Außenseiter zieht sich bis heute durch seine Musik.
Als Teenager erlebte er das England der 1960er und frühen 1970er – eine Zeit, in der London zum Zentrum für Mode und Jugendkultur wurde. Der junge Billy sog all das gierig auf, brachte sich das Gitarrespielen selbst bei und begann, in lokalen Bands zu singen.
Punk – und der junge William mittendrin
Mitte der 1970er-Jahre sah es für junge Menschen in England wahrlich nicht rosig aus. Billy stand vor der Wahl: Für seinen Vater Werkzeug ausliefern oder studieren. Er entschied sich für die Universität und spielte dort schon bald wieder in einer Band.
Dann kam die Begegnung, die alles verändern sollte. Auf einem Bahnsteig in Bromley traf er Susan Ballion, die später als Siouxsie Sioux berühmt wurde. Kurz nach dem Kennenlernen wurden beide Teil des Bromley Contingent – einer Gruppe von Sex-Pistols-Fans, die ihren Idolen zu Konzerten hinterher reisten. Die Gruppe sorgte damals auch in den Medien für Aufsehen.
Billy wurde Gitarrist bei Chelsea, verließ die Band aber bald, weil er unzufrieden mit dem Sänger war. Im Herbst 1976 gründete er mit Bassist Tony James eine eigene Band namens Generation X.
Aus William Broad wird Billy Idol
Ende 1976 wurde aus William Broad schließlich Billy Idol. Mit seinem wilden Aussehen und dem neuen Namen war er sofort ein Hingucker. Wenige wussten, dass der Name von einem Lehrer stammte, der ihn einst abfällig „Billy Idle“ genannt hatte.
Generation X brachte etwas Neues in die Punkszene: Optimismus und Pop-Elemente klangen in Songs wie „Youth Youth Youth“ und „Ready Steady Go“ mehr als deutlich durch.
1980 zerbrach Generation X. Billy Idol und Tony James machten kurzerhand als Gen X weiter. Seit Jahren hatte Billy Idol die Idee, Dance-Rhythmen zu verwenden. Mit „Dancing With Myself“ setzte er das schließlich in die Tat um.
Die Akkorde erinnerten an die Ramones, doch der Beat war näher an Disco als am Punk. Gen X vereinte mit diesem Song die damals gegensätzlichen Kulturen – mit Unterstützung des Produzenten Keith Forsey, der Billy zwei Jahrzehnte treu bleiben sollte. Das zum Song gehörende Album „Kiss Me Deadly“ war ein kompletter Misserfolg, und für Billy Idol war die Zeit für einen Neuanfang gekommen.
Der amerikanische Traum
1981 landete der 26-jährige Musiker in Manhattan – ohne Band und nahezu unbekannt. Ein mutiger Schritt, der sich jedoch lohnen sollte. „Dancing With Myself“ lief schon bald in New Yorker Clubs wie Hurrah und dem Mudd Club. Und als MTV an den Start ging, war Billy Idol der richtige Mann zur richtigen Zeit. Er war kameratauglich, die Musik war frisch und seine Punk-Vergangenheit verlieh ihm Glaubwürdigkeit.
Billy Idol begann die 1980er-Jahre in einem Apartment mit einer Matratze auf dem Boden und beendete das Jahrzehnt mit mehreren Platin-Alben und ausverkauften Welttourneen. Er bekam drei Grammy-Nominierungen, einen MTV Video Music Award und einen Brit Award.
Die Hits kamen im Akkord: 1982 „White Wedding“ und „Hot In The City“ (beide Top 40), 1984 „Rebel Yell“ und „Eyes Without A Face“ (Platz 4), gefolgt von „Flesh for Fantasy“ und „To Be A Lover“. 1987 erreichte „Mony Mony“ Platz 1 der Billboard-Charts, 1990 kam „Cradle of Love“ auf Platz 2.
Absturz und Neuanfang
Doch der Ruhm hatte auch Schattenseiten. 1986 wurde Billy Idol heroinabhängig. 1987 zog er nach Los Angeles, was seine Situation nur noch verschlimmerte.
Am 7. Februar 1990 überfuhr er zudem mit seinem Motorrad ein Stoppschild und raste in einen Lkm. Er erlitt einen fünffachen Trümmerbruch am Bein, einen Armbruch und mehrere Rippenbrüche. Eine siebenstündige Operation rettete sein rechtes Bein vor der Amputation. Er verbrachte Wochen im Krankenbett.
1993 erschien mit „Cyberpunk“ ein regelrecht visionäres Album. Es war seiner Zeit weit voraus, denn damit nahm Billy Idol die heute allgegenwärtige Vermarktung über das Internet um mehr als ein Jahrzehnt vorweg. 2005 folgte „Devil's Playground“, sein rohestes Album seit der ersten Generation X-Platte.
Billy Idol heute
Auf seiner Webseite bezeichnet er sich heute stolz als „Punk Pioneer and Rock and Roll Icon“. Und wie es sich für eine Ikone gehört, erschien 2014 seine Autobiografie „Dancing With Myself“. Sie erzählt von allen Höhen und Tiefen, die von britischen Punk-Clubs bis zu den Hollywood Hills reichen.
Im April 2025 veröffentlichte er mit „Dream Into It“ sein erstes Studioalbum seit elf Jahren. Auf Songs wie „Too Much Fun“ singt er offen über seine früheren Drogenexzesse.
2025 wurde er erstmals für die Rock & Roll Hall of Fame nominiert, obwohl er seit 2007 berechtigt gewesen wäre. Die Aufnahme gelang nicht, doch Billy Idol reagierte gelassen.
Lieber tourte er im Sommer 2025 unter dem Motto „It's A Nice Day To...Tour Again!“ durch Deutschland und begeisterte seine Fans.
Der Mann, der als Außenseiter begann, hat sich seinen Platz in der Rockgeschichte erkämpft und ist noch immer kein bisschen leise. In diesem Sinne: Happy Birthday, Billy Idol!


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