Mit dem egozentrischen Detektiv aus Belgien ist Agatha Christie, der Queen of Crime, wahrlich ein ganz großer Streich gelungen. 1920 trat er in „Das fehlende Glied in der Kette“ (The Mysterious Affair at Styles) zum ersten Mal in Erscheinung und schlängelte sich dann ganz selbstverständlich durch insgesamt 33 Romane und über 50 Kurzgeschichten. Mit der Figur Poirot löste Agatha Christie geschickt ein Problem der damaligen Zeit, nämlich das der sozialen Schichten. Ein Polizeibeamter konnte bis nach dem Zweiten Weltkrieg nicht einfach so in der Oberschicht ermitteln. Gleichzeitig war dies aber genau das Milieu, über das die Leute lesen wollten. Also erschuf Agatha Christie einen „Außenseiter“, der gar keiner britischen Klasse zuzuordnen war. Einen Belgier, der während des Ersten Weltkriegs als Flüchtling nach Großbritannien kam.
A – Arthur Hastings
Captain Hastings ist Poirots treuer Begleiter und Freund, der in mehreren Romanen auftaucht und dann meist als Ich-Erzähler agiert.
B – Belgien
Hercule Poirot, der fälschlicherweise häufig für einen Franzosen gehalten wird, ist in Wahrheit Belgier.
C – Christie, Agatha (1890 – 1976)
Die Erfinderin des Privatdetektivs. Hercule Poirot machte die Queen of Crime weltweit berühmt.
D – Deduktion
Ein winziges Detail an einem Tatort stimmt nicht? Poirot bemerkt es und zieht daraus seine brillanten Schlüsse. Sein messerscharfer Verstand zieht Verbindungslinien und erkennt Zusammenhänge in scheinbar banalen und alltäglichen Situationen und Begebenheiten.
E – Ego
Hercule Poirot ist absolut überzeugt von sich, seinem Aussehen und seinen Fähigkeiten. Aufgrund seiner fast schon übertriebenen Eitelkeit achtet er stark auf sein äußeres Erscheinungsbild, ist stets perfekt gekleidet, trägt einen gepflegten Schnurrbart und glättet sein dunkles Haar mit Pomade. Poirot misst nur 1,60 m und wird in den Romanen zum einen wegen seiner Größe und zum anderen wegen seines Akzents oft belächelt. Vielleicht wollte Agatha Christie mit der egozentrischen Art Poirots bewusst einen Gegenpol schaffen.
F – Felicity Lemon
Miss Lemon ist Poirots Sekretärin. In der britischen TV-Serie Agatha Christie‘s Poirot wurde sie von Pauline Moran gespielt. Felicity Lemon ist zuverlässig, freundlich und hübsch. Sie bleibt jedoch unverheiratet und muss sich ihren Lebensunterhalt verdienen.
G – George
George ist Poirots Diener. Es scheint, als habe er keinen Nachnamen, denn er wird meist einfach nur als George bezeichnet und verkörpert den klassischen Kammerdiener oder – je nach Bedarf – auch den Butler. In „Der blaue Express“ (The Mystery of the Blue Train) tritt George erstmalig in Erscheinung.
H – Herzkrankheit
Auch wenn man immer wieder dem Trugschluss, Poirot sei unsterblich, erliegt, belehrt uns Agatha Christie in „Vorhang: Poirots letzter Fall“ (Curtain) eines Besseren, als sie ihren Helden abtreten lässt. Es heißt, die Schriftstellerin sei der Geschichten um ihren Privatdetektiv überdrüssig geworden, sie habe ihn als unerträglichen Charakter empfunden. Also erlag er letztendlich einem Herzleiden. Doch nicht einfach so. Poirot weigerte sich, seine Medikamente zu nehmen und nutzte seinen eigenen Tod, um letztmalig einen Serienmörder zu überführen. Das mediale Interesse war so groß, dass Hercule Poirot als fiktive Figur im Jahr 1975 tatsächlich einen Nachruf in der New York Times erhielt.
I – Intelligenzquotient
Natürlich gibt es keine konkrete Angabe über den IQ des Meisterdetektivs, aber Fakt ist, dass er als einer der intelligentesten fiktiven Detektive aller Zeiten gilt. Agatha Christie stellt ihn als intellektuelles Genie dar.
J – Junggeselle
Hercule Poirot ist ein eingefleischter Junggeselle, wobei er eine zarte Romanze mit der russischen Kleinkriminellen Vera Rossakoff andeutet, was allerdings eher auf eine Faszination zurückzuführen sein dürfte, die Poirot für seine Widersacherin empfindet, als auf ein romantisches Empfinden oder gar Liebe.
K – Kriminalroman
Hercule Poirot hat seinen Platz im klassischen Genre des Kriminalromans und löst mit einer unnachahmlichen Finesse auch die kompliziertesten Fälle.
L – Luxus
Obwohl Hercule Poirot in einem eher kleinen Apartment in London lebt, ist dieses durchaus in den eleganten, fiktiven Whitehaven Mansions angesiedelt. Reales Vorbild dafür ist das Art-déco-Gebäude Florin Court am Charterhouse Square. Poirot pflegt einen gehobenen Lebensstil, liebt Ordnung, Pünktlichkeit und Eleganz.
M – Mord im Orientexpress
Eines der bekanntesten Werke von Agatha Christie, das auch zu ihren persönlichen Favoriten zählte, wie sie einst in einem Interview verriet, und das mehrfach verfilmt wurde. Poirot klärt während einer Zugfahrt einen Mordfall auf, bei dem die Liste der Verdächtigen ebenso lang zu sein scheint wie die Passagierliste.
N – Nil
Agatha Christie begleitete ihren zweiten Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, gern zu Ausgrabungen. Deshalb sind einige ihrer Geschichten stark von ihren Reisen geprägt, denn während Max forschte, schrieb sie. In „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile) bekommt der Fluss die Aufgabe, die Reisenden auf dem Schiff zu isolieren. So ist es Poirot möglich – ähnlich wie im Orient Express – in einem abgeschlossenen Raum zu ermitteln, den niemand einfach so verlassen kann.
O – Ordnungssinn
Hercule Poirots akribischer Ordnungssinn ist ein entscheidender Bestandteil seines Charakters, denn er gewährleistet, dass der Detektiv kleine Veränderungen und Unstimmigkeiten sofort erkennt.
P – Privatdetektiv
Poirots Karriere begann als Polizist in Belgien. Nach seiner Flucht nach England im Ersten Weltkrieg nutzte er seine „kleinen grauen Zellen“, um als Privatdetektiv zu arbeiten.
Q – Qualität
Hercule Poirot achtet in allen Bereichen seines Lebens auf Qualität und Ästhetik. Er ist Perfektionist.
R – Rätsel
Kein noch so verzwicktes Rätsel ist ihm zu kompliziert. Poirot ist anspruchsvoll. Knifflige Fälle spornen seinen Ehrgeiz an.
S – Suchet, David
Der am 2. Mai 1946 geborene britische Schauspieler wurde insbesondere durch seine Darstellung des Hercule Poirot berühmt und wird häufig als der authentischste Poirot-Darsteller bezeichnet. Für die Dokumentarserie „Travels with Agatha Christie & Sir David Suchet“ begab sich der Schauspieler auf eine Weltreise, um auf den Spuren der Queen of Crime zu wandeln. Denn auch Agatha Christie unternahm im Jahr 1922 mit ihrem ersten Mann Archie eine solche Reise mit den Stationen Südafrika, Australien, Neuseeland, Hawaii und Kanada.
T – Torquay
Die Verfilmung zu „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“ (Dead Man’s Folly) wurde im Jahr 2013 auf Greenway, dem Ferienhaus von Agatha Christie rund zehn Kilometer südlich von Torquay, gedreht. Hercule Poirot wird hier von David Suchet gespielt. Der Drehort bot sich geradezu an, denn als Agatha Christie den Roman schrieb, ließ sie sich von Greenway inspirieren. Das Bootshaus spielt ebenso eine Rolle wie die Gärten und das Haus selbst.
U – Ustinov, Peter (1921-2004)
Der britische Schauspieler ist neben David Suchet einer der bekanntesten Darsteller des Hercule Poirot. Er spielte den belgischen Detektiv in mehreren Verfilmungen, darunter in „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile) 1978 und „Das Böse unter der Sonne“ (Evil Under the Sun) 1982.
V – Viktorianisches Zeitalter
Auch wenn Hercule Poirot erst später ermittelt (Königin Victoria starb im Januar 1901), ist er doch ein großer Anhänger der viktorianischen Zeit, die sich vor allem durch Anstand, Pflichtbewusstsein, Moral und Tugendhaftigkeit auszeichnete.
W – Wahrheit
Der Detektiv gesteht sich selbst keine Fehler zu. In perfektionistischem Wahn geht er jeder noch so kleinen Spur nach, bis er die Wahrheit gefunden hat. Aufgeben ist keine Option für einen Mann wie Poirot.
X – Faktor X
Das letzte unbekannte Puzzleteil, das Poirot in jedem Kriminalfall finden muss.
Y – Yard (Scotland Yard)
Bei seiner Zusammenarbeit mit Scotland Yard bekommt es Poirot immer wieder mit Chief Inspector James Japp zu tun. Japp arbeitet nach den Regeln der alten Schule und stößt dabei permanent an Grenzen, was Poirots „kleine graue Zellen“ auf den Plan ruft. Japp bedient sich an Poirots Verstand und Poirot profitiert seinerseits von Japps Position, um an Informationen zu gelangen.
Z – Zufall
Hercule Poirot glaubt an Logik, an psychologische Tiefgründigkeit, an Fakten und Präzision, an Muster und an Schemata, aber an eines glaubt er nicht und das sind Zufälle.


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