Telefon

Unseren Service erreichen Sie
täglich von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr unter
0800 202 032

Eine schöne englische Landschaft
BLOG
Die feine englische Art

Freedom & Whisky: Traditionelle Tartans und die Wahrheit unter dem Kilt

Freedom & Whisky: Traditionelle Tartans und die Wahrheit unter dem Kilt

Die Hochzeit der Autorin

Während in Großbritannien am 6. März bereits die letzte Staffel von Outlander anläuft und die weibliche Bevölkerung von Dover bis Dundee mit angehaltenem Atem dem Finale entgegenfiebert, aktualisieren deutsche Fans die Streaming-Portale wie andere Leute den Wetterbericht. Ein deutscher Starttermin? Noch nicht in Sicht. Geduld? Begrenzt. Also tun wir das, was kultivierte Menschen in Wartepositionen eben tun: Wir bilden uns weiter. 

Und wir widmen uns natürlich auch der Frage, die jede Diskussion über Kilts früher oder später erreicht: Was trägt Mann eigentlich darunter?

Von kariertem Stoff zum Nationalkostüm

Tartans sind älter als jede TV-Serie. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass es auf den britischen Inseln bereits im 3. Jahrhundert kariertes Wollgewebe gab. Damals allerdings ohne Clan-Zugehörigkeit. Das Muster entstand ganz pragmatisch: Unterschiedlich gefärbte Wollfäden wurden im Wechsel verwebt. Fertig war das Raster.

Der berühmte Kilt kam erst viel später. Ursprünglich trugen die Highlander im 16. Jahrhundert den sogenannten „Great Kilt“, ein großes, rechteckiges Tuch, das man um den Körper wickelte und bei Bedarf auch als Decke nutzte. Multifunktionalität, lange bevor Outdoor-Marken das Wort erfanden. Erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus der kürzere, heute bekannte Kilt. Der Stoff war zuerst da, der Schnitt kam später.

Traditionell werden Tartans in Schottland gewebt, vor allem in den Lowlands, wo sich Textilmanufakturen etablierten. Wolle ist das Material der Wahl: robust, warm und wetterfest. Getragen wird der Kilt mit Sporran, Strümpfen, Jacke – und dem stoisch-schottischen Selbstbewusstsein, das auch den Mann im Rock gut aussehen lässt.

Das Ende der Highlander-Kultur

Wer die zweite Staffel von Outlander gesehen hat und den Beginn der dritten noch in Erinnerung hat, weiß, was die Schlacht von Culloden 1746 bedeutete. Die jakobitischen Highlander unter Charles Edward Stuart verloren gegen die britische Armee. Mit dieser Niederlage endete nicht nur der Aufstand, sondern auch eine ganze Epoche der Highland-Kultur.

In der Folge erließen die britischen Behörden den sogenannten Dress Act von 1746. Das Tragen von Highland-Kleidung – darunter auch Tartan und Kilt – wurde verboten. Wer dennoch in traditioneller Kleidung erschien, riskierte Strafen oder Haft. Der Tartan wurde vom Alltagsgewand zum politischen Symbol.

Erst 1782 wurde das Verbot aufgehoben. Als Tartans im 19. Jahrhundert wieder offiziell getragen wurden, waren sie längst mehr als nur Stoff. Sie standen für Identität, Erinnerung und Widerstand.

Royal Stewart: Der königliche Stoff

Der Royal Stewart Tartan ist eines der bekanntesten Muster Schottlands. Er ist dem britischen Königshaus zugeordnet und gilt als persönlicher Tartan des Monarchen. Seine kräftige rote Grundfarbe wird von blauen, grünen und gelben Linien durchzogen.

Historisch entwickelte sich die enge Verbindung zum Haus Stuart im 19. Jahrhundert, als Tartans im Zuge der romantischen Wiederentdeckung der Highlands systematisch Clans und Dynastien zugeordnet wurden. Die formale Verwendung des Royal Stewart ist dem Monarchen vorbehalten, dennoch wird das Muster weltweit getragen – insbesondere als Accessoire wie Schals oder Krawatten.

Wie viele Tartans existiert auch der Royal Stewart in unterschiedlichen Farbvarianten. Die „Modern“-Version zeigt kräftige, gesättigte Farben. Die „Ancient“-Variante verwendet hellere, an pflanzliche Färbemethoden erinnernde Töne. Zusätzlich gibt es oft „Weathered“- oder „Muted“-Versionen mit gedämpften Farbabstufungen, die einen historischen Charakter betonen.

Clan Mackenzie: Politische Bedeutung in den Highlands

Der aus der Outlander-Serie bekannte Mackenzie Tartan ist vor allem durch dunkle Blau- und Grüntöne geprägt, ergänzt durch rote Linien. Der Clan Mackenzie spielte ab dem 15. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in den nordwestlichen Highlands und war sowohl politisch als auch militärisch einflussreich.

Auch hier gibt es mehrere Varianten: „Modern“, „Ancient“ und teilweise „Hunting“. Letztere zeichnet sich meist durch dunklere, weniger kontrastreiche Farben aus und wurde traditionell für Aktivitäten im Freien verwendet.

Die Zuordnung von Tartans zu Clans wurde im 19. Jahrhundert systematisiert. Zuvor waren Muster stärker regional geprägt und weniger strikt familiär gebunden. Die heutige Clan-Zuordnung ist daher historisch gewachsen, aber in Teilen auch eine viktorianische Konstruktion.

MacDonald: Einer der größten Clans Schottlands

Der MacDonald Tartan gehört zu den ältesten und bekanntesten Clan-Mustern. Der Clan MacDonald war im Mittelalter einer der mächtigsten Clans in den Highlands und kontrollierte große Gebiete im Westen Schottlands.

Das Muster wird traditionell von kräftigen Rottönen dominiert, ergänzt durch Grün, Blau und Gelb. Aufgrund der Größe und der zahlreichen Linien des Clans gibt es mehrere Untervarianten, darunter MacDonald of Clanranald, MacDonald of Sleat und MacDonald of Glencoe.

Auch hier unterscheidet man zwischen „Modern“, „Ancient“ und teilweise „Dress“-Versionen. „Dress“-Tartans enthalten häufig weiße oder hellere Elemente und wurden für formelle Anlässe entwickelt.

MacAllister: Historische und persönliche Verwandtschaft 

Der MacAllister Tartan ist mit dem Clan MacDonald verwandt, da der Clan MacAllister historisch als Nebenlinie gilt. Der Name leitet sich von „Mac Alasdair“ ab, was „Sohn des Alexander“ bedeutet.

Das Muster ist in der Regel von Grün- und Blautönen geprägt und wirkt strukturierter und zurückhaltender als die stark roten Varianten der MacDonalds. Tartans werden heute sowohl industriell als auch in traditionellen Webereien in Schottland hergestellt. Maßgeschneiderte Kilts entstehen häufig in spezialisierten Schneidereien, insbesondere in Städten wie Glasgow und Edinburgh.

Als gebürtiger Nordire mit schottischer Abstammung, deren Wurzeln bis in den Clan MacDonald zurückreichen, trägt man selbstverständlich keinen Kilt von der Stange. Mein Mann ließ seinen Kilt in Schottland maßanfertigen – im Ancient MacAllister Tartan. Dazu kombinierte er ein schwarzes Prince-Charlie-Jacket mit passender Weste und silbernen Knöpfen, einen Sporran mit Pelzbesatz, kniehohe schwarze Kilt-Strümpfe mit MacAllister-Flashes und traditionelle Ghillie-Brogues, deren lange Schnürsenkel um den Knöchel gebunden werden. Am Revers das passende Clan-Emblem, der Fortifier, dazu ein weißes Hemd – und eben jenes stoisch-schottische Selbstbewusstsein, das zum Kilt dazugehört.

Und seit jener Hochzeitsnacht kenne ich auch die Antwort auf die am häufigsten gestellte Frage zum Schotten im Rock. Sagen wir es so: Wer in Staffel 3 die Episode „Freedom & Whisky“ gesehen hat, versteht, wenn ich sage: In Schottland nimmt man Freiheit ebenso wörtlich wie den Whisky.

Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Redaktion sich die Entscheidung vorbehält, ob und wann Ihr Leserbrief an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Ihre E-Mail Adresse, den Vornamen und Ihren Namen benötigen wir zur Direktkommunikation zu Ihrer Veröffentlichung, etwa um Missbrauch und Fälle von Rechtsverletzungen unterbinden zu können. Ihre Daten werden ausschließlich in Zusammenhang mit dieser Kommentarfunktion genutzt und zu diesem Zweck in elektronischer Form gespeichert. Eine Weitergabe Ihrer Daten oder Teile davon erfolgt ausdrücklich nicht. Die entsprechende Datennutzung akzeptieren Sie mit dem Ausfüllen und Absenden dieses Formulars. Weitere Informationen zum Schutz Ihrer persönlichen Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte füllen Sie das Formular aus (alle Felder müssen ausgefüllt sein).

Leserbriefe (0)

Keine Leserbriefe gefunden!

Neuen Leserbrief schreiben

Mehr aus der Rubrik "Kultur-Kompass"

Freedom & Whisky: Traditionelle Tartans und die Wahrheit unter dem Kilt

Kultur-Kompass | von Judith Heede

Während in Großbritannien am 6. März bereits die letzte Staffel von Outlander anläuft und die weibliche Bevölkerung von Dover bis Dundee mit…

Weiterlesen
Hercule Poirot von A-Z

Kultur-Kompass | von Susanne Arnold

Mit dem egozentrischen Detektiv aus Belgien ist Agatha Christie, der Queen of Crime, wahrlich ein ganz großer Streich gelungen. 1920 trat er in „Das…

Weiterlesen
Winston Churchill – Schriftsteller, Historiker, Künstler und Staatsmann

Kultur-Kompass | von Susanne Arnold

„Ich habe nichts zu bieten außer Blut, Mühe, Tränen und Schweiß.“ Mit diesem Satz begann Winston Churchill am 13. Mai 1940 seine Rede vor dem Kabinett…

Weiterlesen
Willkommen im chinesischen Jahr des Pferdes

Kultur-Kompass | von Judith Heede

Während wir hier in Europa schon seit Wochen nach Ausreden suchen, warum wir den Dry January am 10. Januar doch wieder beendet haben und die neue…

Weiterlesen