Porträt einer außergewöhnlich unangepassten Frau
Helena Bonham Carter wird am 26. Mai 2026 60 Jahre alt. Das ist Grund zu feiern und die Schauspielerin einmal näher vorzustellen. Denn Helena Bonham Carter ist weit mehr als ihre Rollen – sie ist eine Geschichte für sich.
Eine Familiengeschichte wie aus einem Filmdrama
Helena Bonham Carter wurde 1966 in Golders Green, London, geboren – in eine ungewöhnliche und einflussreiche Familie. Ihr Urgroßvater Herbert Henry Asquith war Premierminister des Vereinigten Königreichs, und ihr Stammbaum ist gespickt mit Baronen, Diplomaten und Künstlern. Ihr Urgroßonkel Anthony Asquith war zum Beispiel ein renommierter Filmregisseur.
Ihr Großvater mütterlicherseits, Eduardo Propper de Callejón, war spanischer Diplomat und rettete während des Zweiten Weltkriegs Tausende Juden vor der Verfolgung durch die Nazis, indem er ihnen Visa für die Ausreise aus Frankreich ausstellte. Klar, dass eine solche Familiengeschichte prägt. Die Verbindung von Politik, Kultur und humanitärem Engagement ist seit jeher ein wichtiger Aspekt ihres Lebens.
Doch ungeachtet dieser schillernden Herkunft war ihre Kindheit auch von persönlichen Schicksalen geprägt: Ihr Vater erlitt einen Schlaganfall und war von da an auf den Rollstuhl angewiesen, ihre Mutter kämpfte lange mit psychischen Problemen.
Der Beginn ihrer Schauspielkarriere
Mit 13 Jahren nahm Helena Bonham Carter an einem nationalen Poesiewettbewerb teil und belegte den zweiten Platz. Den Preis investierte sie kurzerhand in einen Eintrag im Casting-Verzeichnis „Spotlight“ – und hatte schon bald ihre eigene Agentin. Mit 16 Jahren stand sie das erste Mal für einen Werbespot vor der Kamera.
Die Rolle der Lucy Honeychurch in „A Room with a View“ im Jahr 1985 brachte schließlich den Durchbruch – und bescherte ihr umgehend eine BAFTA-Nominierung.
In den folgenden Jahren erarbeitete sie sich einen Ruf als vielseitige Charakterdarstellerin in Literaturverfilmungen wie „Howards End“ (1992). Mit „The Wings of the Dove“ (1997) startete dann auch ihre internationale Karriere. Denn die Darstellung der berechnenden Kate Croy brachte ihr eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin ein. Auch die Zusammenarbeit mit Kenneth Branagh prägte diese Phase. In seiner Verfilmung von „Mary Shelley's Frankenstein“ (1994) spielte sie Elizabeth Lavenza. Die beiden waren von 1994 bis 1999 auch privat ein Paar.
Helena Bonham Carters Rollen: Außergewöhnlich und exzentrisch
Und dann ist da natürlich noch Tim Burton – wohl die prägendste Zusammenarbeit ihrer Karriere. Die beiden waren von 2001 bis 2014 liiert und haben zwei Kinder – und wohnen bis heute als Nachbarn in London, um gemeinsam für ihre Kinder da zu sein.
Ihre gemeinsame Arbeit brachte einige ungewöhnliche Filmperlen hervor. In „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Corpse Bride“, „Sweeney Todd“ und „Alice im Wunderland“ zeigte die Schauspielerin ihr Talent für exzentrische, aber tiefgründige Charaktere. Und es ist genau diese Eigenwilligkeit, die sich beim Publikum so nachhaltig eingeprägt hat.
Als Bellatrix Lestrange in den Harry-Potter-Filmen (2007–2011) schuf sie zudem eine wahrhaft ikonische Schurkin – mit einer Energie, die jeden Raum sofort in Beschlag nahm. Und mit „The King’s Speech“ (2010) bewies sie erneut ihre Klasse im leisen, zurückgenommenen Fach – was ihr gleich eine zweite Oscar-Nominierung und den BAFTA als beste Nebendarstellerin einbrachte.
In „The Crown“ brillierte sie als Prinzessin Margaret.
Exzentrischer Stil auch im echten Leben
Helena Bonham Carter sorgt auch abseits der Leinwand mit ihrem unverwechselbaren Look für Aufsehen. Denn sie trägt gerne Outfits, die an das viktorianische Zeitalter erinnern oder setzt auf einen eigenwilligen Stilmix. Ihre Zusammenarbeit mit Designern wie Vivienne Westwood unterstreicht ihre Vorliebe für avantgardistische Mode. Ihr Stil spiegelt eine Persönlichkeit wider, die auf Individualität setzt und auf charmante Art gerne auf Konventionen pfeift.
Helena Bonham Carter setzt sich zudem für Tierrechte ein, ist eine leidenschaftliche Köchin und hat sogar schon davon geträumt, ein eigenes Kochbuch zu veröffentlichen. Auch politisch engagiert sie sich – ganz im Sinne ihrer Familientradition. Und noch ein Fakt, der zu ihr passt: Sie hat Flugangst und reist lieber mit dem Zug oder Schiff.
In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag, Helena Bonham Carter!


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