Geneviève Alison Jane Moyet kam am 18. Juni 1961 als Tochter eines französischen Vaters und einer englischen Mutter in Basildon, Essex, zur Welt. Schon als Kind fiel sie auf, denn sie war groß, stark und mit einer Stimme, die nicht zu überhören war. In einer Zeit, in der englische Mädchen sanft und leise sein sollten, sprengte sie den engen Rahmen. Sie war eher eine Kämpferin und Rebellin, die wusste, was sie wollte. „Ich komme aus einer französischen Bauernfamilie. Wir waren zäh und ich hatte mehr zu sagen, als den meisten Leuten lieb war“, beschrieb sie sich einmal selbst.
Alison Moyets Anfänge: Von der Schulabgängerin zur Sängerin
Alison Moyet besuchte die Janet Duke Junior School und später die Nicholas Comprehensive School. Dort saß sie im sechsten Schuljahr in einer Klasse mit zwei späteren Mitgliedern von Depeche Mode: Andrew Fletcher und Martin Gore. Allerdings entstand aus dieser Schulzeit keine direkte musikalische Zusammenarbeit. Alison eroberte zunächst alleine die lokale Musikszene. In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren spielte sie in verschiedenen Punk-, Rock- und Blues-Bands, darunter The Vandals, The Screamin’ Ab Dabs und The Little Roosters. Mit 16 verließ sie die Schule, arbeitete als Verkäuferin und ließ sich dann zur Klavierstimmerin ausbilden. An eine Karriere als Sängerin dachte sie damals noch nicht.
Yazoo – eine Pop-Ikone der frühen 80er
Doch 1982 traf sie auf Vince Clarke, der zuvor Mitglied von Depeche Mode gewesen war. Er suchte eine Sängerin für ein neues Projekt. Gemeinsam gründeten sie Yazoo. Mit ihrer kraftvollen, souligen Stimme und Clarkes Synthie-Sounds entstand ein Duo, das die Poplandschaft der frühen 1980er prägte. Hits wie „Only You“, „Don’t Go“ und „Nobody’s Diary“ wurden zu zeitlosen Klassikern. Ihr Debütalbum „Upstairs at Eric’s“ erreichte Platinstatus. Trotz des Erfolgs war die Zusammenarbeit kurzlebig: Clarke verließ das Duo bereits 1983, um kurz darauf Erasure zu gründen. Alison Moyets Stimme hatte sich jedoch bereits in den Köpfen und Herzen der Fans festgesetzt. Und auch sie selbst wollte unbedingt als Musikerin weitermachen.
Auf Solopfaden
Nach der Trennung von Yazoo unterschrieb sie deshalb bei der Plattenfirma CBS und veröffentlichte 1984 ihr Solodebüt „Alf“, benannt nach ihrem Spitznamen, den sie schon als Kind hatte. Das Album war enorm erfolgreich und hatte Hits wie „That Ole Devil Called Love“ zu bieten. Mit ihrem Auftritt bei Live Aid 1985 besiegelte sie ihren Status endgültig. Alison Moyet war aus dem Pop nicht mehr wegzudenken.
In den späten 1980ern und frühen 1990ern veröffentlichte sie mit „Raindancing“ und „Hoodoo“ weitere Hit-Alben. Sie hatte allerdings nie im Sinn, sich ausschließlich dem Mainstream zu widmen - sie liebte vor allem die Musik und nicht nur den Erfolg. Als ihr Label kommerziellere Produktionen forderte, wehrte sie sich und bezahlte das mit Karriereflaute und Rechtsstreitigkeiten. Aber sie blieb sich treu, was zu einer ihrer größten Stärken wurde.
Ein Leben zwischen Musik, Bühne und Kunst
Denn sie ließ sich in schwierigen Phasen nicht unterkriegen. Stattdessen trat sie zum Beispiel in Musicals wie „Chicago“ im Londoner West End (2001) als Matron „Mama“ Morton auf. 2006 war sie auch in dem Stück „Smaller“ zu sehen.
Parallel dazu kehrte sie bereits 2002 mit dem Album ‚Hometime' auf die Pop-Bühne zurück. Kritikerinnen und Kritiker liebten es - und das Publikum auch, was ihr eine BRIT-Nominierung einbrachte. Es folgten weitere Alben wie „Voice“ (2004), „The Turn“ (2007) und „The Minutes“ (2013), mit dem sie zu ihren elektronischen Wurzeln zurückkehrte.
Neue Projekte und große Erfolge
2021 wurde sie für ihre Verdienste um die Musik mit dem MBE (Member of the Order of the British Empire) ausgezeichnet.
Und mit 62 Jahren schloss sie im Jahr 2023 mal eben ihr Studium der Bildenden Kunst im Bereich Fine Art Printmaking an der University of Brighton ab - aus purer Leidenschaft für die Kunst.
2023 erreichte sie einen weiteren Meilenstein: Mit über 23 Millionen verkauften Alben und über 2 Millionen verkauften Singles weltweit war sie eine der erfolgreichsten britischen Künstlerinnen aller Zeiten. Ihre zehn Studioalben und drei Compilations erreichten alle die Top 30 der UK-Albumcharts, zwei davon sogar Platz 1.
Alison Moyet ruhte sich dennoch nicht auf ihren Lorbeeren aus. 2024 veröffentlichte sie „Key“, eine Sammlung neu interpretierter Songs zusammen mit zwei brandneuen Stücken. Zudem startete sie den Podcast „40 Moyet Moments“, in dem sie über ihr Leben auf der Bühne und im Pop-Business erzählt.
Abseits der Bühne ist die Sängerin übrigens eine leidenschaftliche Unterstützerin des Fußballclubs Southend United. Sie ist verheiratet und hat Kinder - ihr Privatleben hält sie weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Lieber lässt sie ihre Kunst und ihre Musik für sich sprechen.
Die Bühne ruft: Eine große Tour im Jahr 2026
Alison Moyet liebt die Bühne. In einem Interview erzählte sie einmal, dass sie allein schon die körperliche Tätigkeit des Singens vor Publikum wunderbar findet. Im September 2026 geht sie wohl auch deshalb wieder auf große Tour durch Großbritannien und Europa. Die „2026 Tour – Songs of Yazoo, the minutes & Other“ widmet sich vor allem der Musik von Yazoo. Aber Alison Moyet wird es sich sicher nicht nehmen lassen, auch viele andere Songs aus ihrem langen Schaffen zu präsentieren.
Passend zu ihrem 65. Geburtstag sagte sie übrigens einmal: „Wenn man älter wird, hört man auf, dazugehören zu wollen. Und die Andersartigkeit wird dann zu einer echten Quelle der Freude.“
In diesem Sinne: Happy Birthday, Alison Moyet!


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