Als Sir Barry Alan Crompton Gibb (CBE) ist er vielen kein Begriff, als Sänger und Gitarrist der Musikgruppe Bee Gees hingegen erlangte er weltweit Ruhm. Eine traurige und von ihm vermutlich nicht gewünschte Steigerung seines Bekanntheitsgrades wurde im Mai auf Facebook angestoßen, als sich dort rasend schnell die Meldung verbreitete, Barry Gibb sei im Alter von 79 Jahren verstorben. Sofort versicherte seine Familie, dass Barry wohlauf sei und in Florida lebe und auch die Zeitschrift Bunte korrigierte die Fehlinformation. Am 01. September wird die Musiklegende sehr lebendige 80 Jahre alt und dürfte sich über noch viele weitere Geburtstage freuen, denn Totgesagte leben ja bekanntlich länger.
Vom Kind zum Weltstar
Barry Gibb wurde am 01. September 1946 in Douglas auf der Isle of Man als zweites von insgesamt fünf Kindern in eine überaus musikalische Familie hineingeboren. Seine Mutter war Sängerin, sein Vater leitete ein Orchester. Für einige Jahre lebte die Familie in Australien. In dieser Zeit gründete der jugendliche Barry – er war etwa 12 Jahre alt – gemeinsam mit seinen Brüdern, den Zwillingen Robin und Maurice, die 1949 zur Welt gekommen waren, die legendären Bee Gees. Nachdem sie zunächst noch den Spagat zwischen Auftritten und Schule zumindest versucht hatten, brachen schließlich alle drei Brüder ihre schulische Laufbahn ab – ein Wagnis, das sich jedoch lohnen sollte. Bereits Mitte der 1960er-Jahre war die Gruppe so erfolgreich, dass sie eine erste Nummer-eins-Platzierung in Australien erreichte. Die Familie zog zurück nach Großbritannien. Barry Gibb arbeitete in den Folgejahren zusätzlich als Produzent für namhafte andere Künstler und aufgrund seiner besonderen Stimmlage (hohe Falsett-Stimme) auch als Duett-Partner, beispielsweise von Céline Dion (Immortality aus dem Jahr 1997) oder Diana Ross (Eaten Alive aus dem Jahr 1985). Mit insgesamt 16 Nummer-eins-Hits gilt Barry Gibb als einer der erfolgreichsten britischen Plattenproduzenten, der die meisten Nummer-eins-Hits platzieren konnte.
Unverwechselbar
Seine Stimme ist sein absolutes Wiedererkennungsmerkmal. Wenige Sekunden genügen oft, um einen Song der Bee Gees zu erkennen, der da gerade im Radio läuft, wegen der herausstechend hohen Stimme von Barry Gibb, die ihresgleichen sucht. Aber was ist überhaupt eine sogenannte Falsett-Stimme? In seinem „Musicalischen Lexikon“ aus dem Jahr 1732 bezeichnete Johann Gottfried Walter sie als unnatürlich. Seiner Erklärung nach wird sie durch „Zusammenzwingen und Dringen des Halses“ erreicht. Heute wird oft von Kopfstimme gesprochen, die laut Expertinnen und Experten zwar nicht exakt dasselbe ist, häufig aber als Synonym verwendet wird. Letztendlich handelt es sich bei Falsett um eine Oktave hochgestellte Sprech- oder Gesangsstimme. Die Stimmbänder schwingen dabei nur an den Rändern. Beim Jodeln findet beispielsweise ein permanenter Wechsel zwischen Normalstimme und Falsett-Stimme statt.
Privatleben
Nicht nur beruflich ging es im Leben von Barry Gibb turbulent zu. Auch privat gab es Höhen und Tiefen, und er musste einige tragische Verluste verkraften. Insbesondere der Tod seines jüngsten Bruders Andy, der nur wenige Tage nach seinem 30. Geburtstag an den Folgen einer Myokarditis starb, belastete ihn schwer. Als er 1958 zur Welt kam, gründete sich die Band gerade und als sich bereits die ersten großen Erfolge abzeichneten, war Andy noch ein kleiner Junge und deshalb nie Mitglied der Band.
Unter den Brüdern Barry, Robin und Maurice gab es immer mal wieder Unstimmigkeiten, denn auch Erfolg hat seinen Preis und hält nicht nur Glücksmomente bereit. Maurice, der oft die Rolle des Vermittlers übernahm, starb im Alter von 53 Jahren nach einer Darmoperation, bei der es zu Komplikationen gekommen war. Mit seinem Tod endete auch die Ära der Bee Gees, deren Musik aber bis heute noch nahezu täglich auf irgendeinem Sender zu hören ist. Den Verlust seines Bruders Robin, der 2012 an den Folgen einer Krebserkrankung starb, mussten Barry und seine Schwester Lesley, die heute in Australien lebt, ebenfalls verkraften.
Eine positive und stabile Konstante war und ist seine Frau Linda, mit der Barry seit 1970 verheiratet ist. Das Paar hat fünf gemeinsame Kinder. Im Jahr 2006 kaufte Barry Gibb das Haus von Johnny Cash und June Carter, doch es brannte bereits ein Jahr später aus ungeklärten Gründen ab.
Ein bewegtes Leben, viele Ehrungen, Preise und sogar ein Ritterschlag – die Queen erhob ihn 2017 in den Ritterstand und Prinz Charles führte den Ritterschlag 2018 offiziell durch –, weshalb er seither den Titel Sir tragen darf. Nun wird Barry Gibb 80 Jahre alt. Wir sagen danke für unfassbare Musikmomente, für Ohrwürmer und Gänsehautgarantie.


Suche







Leserbriefe (0)
Keine Leserbriefe gefunden!