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Eine schöne englische Landschaft
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Die feine englische Art

Gertrude Jekyll

Eine Frau – viele Passionen. 

Als die Mutter des englischen Landhausstils ist Gertrude Jekyll bis heute bekannt. Doch sie war so viel mehr als das. Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf das Leben dieser außergewöhnlichen Frau werfen. 

Eine Kindheit in der Oberschicht

Gertrude Jekyll wurde am 29. November 1843 in der Grafton Street im Londoner Stadtbezirk Mayfair geboren. Hier besaßen ihre Eltern, Captain Edward Joseph Hill Jekyll – Offizier bei den Grenadier Guards – und Julia Hammersley, ein Stadthaus. Schon damals handelte es sich bei diesem Teil Londons um eine der teuersten Adressen der Stadt. Gertrude war nach ihrer Schwester Carry das zweite von vier Kindern, die Brüder Walter und Herbert kamen nach ihr zur Welt. Entsprechend der sozialen Stellung der Familie hatte Gertrude ein Kindermädchen und erhielt Privatunterricht. 

Als sie fünf Jahre alt war, zogen die Eltern mit ihren Kindern nach Bramley Park, ein Landhaus im Regency-Stil bei Guildford. Auf dem weitläufigen Anwesen gab es zwei Teiche. Vermutlich hat die junge Gertrude bereits hier ihre Naturverbundenheit und Affinität zur Gartengestaltung gespürt. Doch sie war nicht auf diesen Bereich fokussiert und ihr Weg sollte sie zunächst in eine andere Richtung führen. Dennoch war alles, womit sie sich beschäftigte, in irgendeiner Form kreativ. Sie war vielseitig interessiert und liebte es, Dinge zu erschaffen und zu konzipieren. 

Besonders angetan hatte es ihr die Malerei und so begann sie mit 18 Jahren ein Studium – ein absolutes Privileg im Viktorianischen England, in dessen Genuss lediglich die wohlhabende Oberschicht kam. Gertrude Jekyll hatte Glück, in diese Familie hineingeboren worden zu sein, denn neben der Möglichkeit, Malerei zu studieren, gab es einen weiteren Vorteil: Durch ihren Bildungsstand war die Familie gut vernetzt und pflegte regelmäßigen Kontakt zu Künstlern und Intellektuellen. So lernte Gertrude neben anderen John Ruskin kennen, der sie in Bezug auf ihre Arbeiten sehr beeinflusste. Als sie 1869 William Morris begegnete, begann sie mit dem Sticken, aber das allein reichte ihr nicht. Sie wurde zur Gestalterin, arbeitete mit unterschiedlichen Materialien, fotografierte mit großer Begeisterung, zeichnete, entwarf und interessierte sich zunehmend für Architektur. 

Ein Augenleiden und eine Leidenschaft

Gegen Ende ihrer vierziger Jahre verschlechterte sich Gertrude Jekylls Kurzsichtigkeit zunehmend. Was heutzutage kein großes Problem mehr darstellt, war damals eine echte Herausforderung für die Künstlerin. Als ein Arzt ihr im Jahr 1891 schließlich riet, sowohl auf das Sticken als auch auf das Malen zu verzichten, galt es, ein neues Betätigungsfeld zu finden. Und so wurde Gertrude Jekyll zu einer der bekanntesten Gartengestalterinnen weltweit, denn sie schlug unkonventionelle Wege ein, die nicht der damaligen „Gartenmode“ – die hauptsächlich aus geordneten Beeten aus einjährigen Pflanzen bestand – entsprachen. Sie verband Architektur mit Natur, liebte Fülle, Vielfalt und Farbverläufe und Pflanzen in unterschiedlichen Höhen. Sie gab in den von ihr angelegten Gärten Räume vor, die sie mit Mauern, Hecken und Wegen voneinander abgrenzte, doch innerhalb dieser Räume explodierte die Pflanzenwelt. Stauden waren ihr besonders wichtig. Mindestens genauso viel Wert legte sie darauf, dass die Gärten zu keiner Jahreszeit leer wirkten. Um diesen Zustand zu erreichen, setzte sie im Winter beispielsweise auf immergrüne Pflanzen, Eiben und Buchs. Für Mauern und Wege arbeitete sie ausschließlich mit regionalen Materialien wie Holz und Ziegel. Nichts wurde importiert. 

Und sie eckte an – mit den Pflanzen, die viele Menschen für Unkraut hielten, die bei Gertrude Jekyll jedoch kreuz und quer zwischen den Rosen gedeihen durften, wie etwa Gräser, wilder Mohn oder Königskerzen. Sie brach auch die Regel des reinen Nutz- und Ziergartens, indem sie beides miteinander verband und Kräuter, Obst und Gemüse zwischen die Blumen pflanzte. Sie war der Meinung, ein Garten müsse sowohl nützlich sein als auch duften. 

Häufig wird ihr Stil mit dem des Cottage Garden gleichgesetzt, doch das stimmt nur bedingt. Denn der Cottage Garden war ursprünglich ein reiner Bauerngarten, der das Überleben sichern sollte. Gertrude Jekyll machte daraus Kunst. Über 400 Gärten hat sie in Großbritannien, Europa und den USA gestaltet, teilweise gemeinsam mit dem Architekten Edwin Lutyens, der die jeweiligen Häuser entwarf, während sie sich um die dazu passenden Gärten kümmerte. Als eines ihrer berühmtesten Projekte gelten die Hestercrombe Gardens in Somerset. Sie schrieb über 1000 Artikel über Gartengestaltung und mehrere Bücher. Im Dezember 1932 starb sie im Alter von 89 Jahren in Surrey. 

Praxistipp

Wie fängt man denn nun an, wenn man sich einen Garten im Stil von Gertrude Jekyll anlegen möchte? 

Es empfiehlt sich, Schritt für Schritt vorzugehen. Zunächst sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass sie eine Künstlerin war, also braucht man zum Start so etwas wie eine Leinwand. Das kann eine bereits bestehende Mauer sein oder eine Hecke. Bruchsteinmauern eignen sich hervorragend, weil sie einen relativ dunklen Hintergrund bilden und dennoch warm wirken. Dann überlegt man einen Farbverlauf für die Bepflanzung, beispielsweise von Blau über Violett und Rosa bis hin zu Gelb. Wichtig ist, die Höhe der Gewächse zu berücksichtigen. Die größten Exemplare kommen natürlich nach hinten. In die Mitte werden Lupinen, Pfingstrosen oder Strauchrosen gepflanzt. Wussten Sie übrigens, dass eine Rose sogar nach Gertrude Jekyll benannt wurde? 

Wichtig ist, dass man nicht eine Pflanze hier und eine dort setzt, sondern immer mehrere zueinander. Ganz nach vorne kommen die niedrigen Gewächse. Vergessen Sie die Nutzpflanzen nicht! Rosmarin und Lavendel sollten auf keinen Fall fehlen. Nun kann man entsprechend den Jahreszeiten noch mit ein paar Lückenfüllern spielen, zum Beispiel mit Tulpen im Frühling oder Astern im Herbst. Damit wäre doch schon mal ein netter Anfang gemacht. 

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim weiteren Werkeln und Gestalten. 

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