Für die meisten Menschen ist der Cottage Garden der Inbegriff der britischen Gartenkultur. Obwohl er mit deutschen Rasenflächen, die scheinbar mit der Nagelschere geschnitten wurden und in denen maximal ein akkurat abgestochenes Beet und ein in Kugelform gebrachter Busch das Bild unterbrechen, nichts gemeinsam hat, findet er auch in deutschen Landen zunehmend Nachahmende. Der Cottage Garden wird immer beliebter, und das Gärtnern wird zu einer Berufung, anstatt lediglich als banales Hobby herzuhalten. Kein Wunder, denn Gartenarbeit inspiriert, beflügelt und heilt.
In ihrem Roman „Elizabeth und ihr Garten“, der 1898 anonym von Elizabeth von Arnim publiziert wurde und in Form eines Tagebuchs gehalten ist, heißt es:
„Der Garten ist mein Schutz, meine Zufluchtsstätte, zu der es mich hinzieht, nicht das Haus […] Dort fühle ich mich geborgen und zu Hause, und jede Blume und jedes Unkraut ist ein Freund und jeder Baum ein Liebster.“
Vom Bauerngarten zum Cottage Garden
Ein Bauerngarten im Sinne eines Nutzgartens hatte sich zwangsweise bereits im Mittelalter etabliert, denn es galt, durch das Anpflanzen von Obst, Gemüse, Kräutern und Heilpflanzen das Überleben zu sichern. Man gliederte ihn geometrisch, zwischen den Beeten verliefen Wege. Das Ganze hatte einen rein zweckmäßigen Sinn. Im 16. Jahrhundert unterhielten vor allem die Landarbeiter Gemüsegärten, um ihre Familien und ihre Tiere zu ernähren. Sie lebten in einfachen Hütten und legten ihre Gärten rund um ihre Behausungen an. Auch hier wuchsen Zierpflanzen allenfalls vereinzelt zwischen Obst und Gemüse. Man hatte keine Zeit für aufwendige Gartenarbeiten. Später – etwa ab 1800 – prägte der Architekt John Nash den Stil für ein rustikales Landhaus zum dazugehörigen Cottage Garden maßgeblich. Während der Regierungszeit von Queen Victoria wurden die Gärten schließlich zu Status-Symbolen. Längst handelte es sich um keine reinen Nutzgärten mehr und durch die ausgebauten Schienennetze konnten nun sogar Pflanzen von weit her nach England gebracht werden. „Zeig mir deinen Garten, und ich sage dir, wer du bist“, lautete das Motto der damaligen Zeit. Fragt heute jemand nach dem Erfolgsrezept für einen schönen Cottage Garden, so lässt sich ganz simpel erklären: Er darf nicht perfekt aussehen. Geplant-ungeplant ist die Zauberformel. Ein Cottage Garden besticht durch Romantik und sollte fast schon einen Hauch von Vernachlässigung ausstrahlen, allerdings wohl dosiert, versteht sich. Und vor allem ganz typisch britisch: mit Stil und Noblesse.
Was macht den heutigen Cottage Garden aus?
Mehr ist mehr, könnte man hier zunächst antworten, denn der heute als „typisch“ bezeichnete Cottage Garden zeichnet sich vor allem durch seine Pflanzenvielfalt aus. Es gibt fast keine freien Stellen, die Beete sind prall gefüllt, Erde ist kaum noch sichtbar. Blumen mischen sich mit Kräutern, Beerensträuchern, Gemüsepflanzen und Obstbäumen. Dazwischen befinden sich teils versteckte Wege und Pfade aus Naturmaterialien wie Kies oder Rindenmulch, es gibt Sitzecken und mit Rosen bewachsene Rundbögen und Lauben. Ein Cottage Garden ist mehr als ein Garten, er ist eine Oase, strahlt Ruhe und Geborgenheit aus und bietet einen geschützten Rückzugsort. Die Natur darf hier einfach auch mal ihren Lauf nehmen, Perfektion ist nicht erwünscht.
Beliebte Pflanzen für den Cottage Garden
Rosen dürfen in keinem Cottage Garden fehlen, sie sind absolut elementar. Alle Arten sind willkommen. Da wären zunächst die Kletterrosen oder Ramblerrosen, die Bögen, Lauben und Zäune beranken und dann natürlich auch die Stockrosen, die man häufig an Hauswänden findet. Historische Rosen, duftende Rosen, frei wachsende Rosen – immer her damit. Man kann gar nicht genug von ihnen anpflanzen, denn Romantik wird in einem Cottage Garden ganz großgeschrieben. Übrigens eignen sich auch Glyzinien, Jasmin und Geißblatt gut als Kletterpflanzen. Ein wenig sollte man natürlich grundsätzlich auf die jeweilige Höhe der unterschiedlichen Gewächse achten. Stauden wie Rittersporn oder Fingerhut sind im Hintergrund gut aufgehoben, während Lavendel, Pfingstrosen, Storchenschnabel und Mohn in der Mitte für bunte Vielfalt sorgen. Akeleien dürfen gerne überall dazwischen sprießen. Und ganz wichtig für einen Cottage Garden: Kräuter, Kräuter und noch mal Kräuter! Rosmarin, Thymian, Borretsch, Salbei, Kresse – hier darf alles wachsen, was das Kräuterherz begehrt.
Und Sie? Sind Sie eher Typ ordentlich gepflegter Rasen oder verwunschener Cottage Garden?


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