Londoner Taxis sind sicherlich eines der bekanntesten und kultigsten Fahrzeuge der Welt. Dafür sorgen nicht nur die Chauffeure, die für den begehrten Taxifahrerausweis eine der härtesten Prüfungen der Welt ablegen müssen: „The Knowledge“. Neben der Kompetenz und dem Charme der Fahrer reicht die Geschichte der heutigen London Electric Vehicle Company (LEVC) bis ins Jahr 1908 zurück – seither passt sich die Entwicklung der Fahrzeuge kontinuierlich den sich wandelnden Bedürfnissen von Betreibern und Fahrgästen an.
Heute verbindet die LEVC stolz ihr reiches Erbe mit modernster Technologie, um die Zukunft des nachhaltigen Transports zu gestalten. Wen das Adjektiv „elektrisch“ im Firmennamen überrascht, wird sich wundern: Die ersten motorisierten Taxis auf Londons Straßen waren Ende des 19. Jahrhunderts tatsächlich elektrisch. Das „Bersey Electric Cab“ erreichte dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 19 km/h und eine Reichweite von rund 80 km. Aufgrund ihres charakteristischen Geräuschs und ihrer gelb-schwarzen Lackierung trug ihnen den Spitznamen „Kolibris“ ein.
Weltklassefahrer hinter dem Steuer
Wer ein Black Cab fahren will, braucht mehr als einen Führerschein: Taxifahrer, die es hinter das Steuer eines der legendären Fahrzeuge schaffen möchten, müssen zunächst die wohl härteste Taxi-Prüfung der Welt bestehen. Sie heißt schlicht und legendär: „The Knowledge“. Schon die Vorbereitung darauf dauert Jahre, denn es gilt, 25.000 Straßen und Wege Londons sowie unzählige bekannte und unbekanntere Wahrzeichen auswendig zu lernen. Eine wahre Mammutaufgabe! Kein Wunder, dass jeder Driver eines Black Cabs besonders stolz auf seinen Beruf als „Weltklassefahrer“ ist.
Die Prüfung wird nicht umsonst oft mit einem Universitätsstudium oder einem anspruchsvollen akademischen Kurs verglichen. Studien des University College London haben sogar gezeigt, dass das intensive Training die Struktur des Hippocampus im Gehirn verändern und möglicherweise das Alzheimer-Risiko senken kann.
Ein Auto mit zahlreichen Raffinessen
Der neueste „LEVC TX“ bietet wie seine Vorgängerversionen des legendären schwarzen Taxis ein Höchstmaß an barrierefreier Zugänglichkeit. Neben einer Rollstuhlrampe und einem Rückhaltesystem verfügt das Black Cab über einen ausklappbaren Drehsitz, Braille-Schalter, gut sichtbare Markierungen und Griffe, eine Induktionsschleife sowie eine vollständige Gegensprechanlage.
Doch der TX ist längst nicht nur ein Taxi. Inzwischen wird das Modell auch vielseitig eingesetzt – unter anderem vom britischen Gesundheitsdienst NHS, in Pflegeheimen, bei Wohltätigkeitsorganisationen, Logistikunternehmen und sogar auf National-Trust-Anwesen.
Investitionen in die Zukunft
Hergestellt wird das legendäre Fahrzeug heute in den West Midlands, genauer gesagt im hochmodernen Werk in Ansty, Coventry. Die 37.000 m² große Anlage wurde 2017 eröffnet – möglich gemacht durch umfangreiche Investitionen der chinesischen Geely Holding Group, die bis heute rund 1 Milliarde Pfund in die LEVC gesteckt hat.
Aktuell sind mehr als die Hälfte der rund 14.000 registrierten Black Cabs mit einem Elektromotor unterwegs – geräuscharm und emissionsfrei. Sogar eine Luxusvariante gibt es inzwischen: Die sogenannte „Farelady“ steht mit ihrem Interieur einem Bugatti in nichts nach. Der Name klingt wie „fair lady“ (holde Dame), spielt aber auf das englische Wort „fare“ an – also den Fahrpreis.
Farbenfroher als gedacht
Auch wenn der Name anderes vermuten lässt, gibt es in London keine Vorschrift, die eine schwarze Lackierung vorschreibt. Viele Fahrer entscheiden sich bewusst für Alternativen wie Weiß – etwa für Hochzeiten oder besondere Events. Und auch außerhalb Londons gelten eigene Farbvorgaben: In Bristol zum Beispiel müssen die Taxis blau sein.
Doch noch wichtiger als Farbe oder Ausstattung ist der menschliche Aspekt. Immer mehr Wert wird darauf gelegt, dass Fahrer im Umgang mit Fahrgästen geschult werden – insbesondere, um Frauen und schutzbedürftige Personen zu erkennen, die sich beim Einsteigen unwohl fühlen oder vielleicht sogar verfolgt wurden. Fahrerinnen und Fahrer sind angehalten, aufmerksam zu sein, aktiv Unterstützung anzubieten und im Ernstfall auf Hilfsangebote wie die Polizei oder die Organisation „Stop Hate UK“ hinzuweisen.
Das Black Cab begeistert nicht nur durch Technik und Geschichte – sondern auch durch echten Kultstatus. Kein Wunder, dass König Charles, Kate Moss, Stephen Fry und Arnold Schwarzenegger einst eines besaßen.


Suche







Leserbriefe (0)
Keine Leserbriefe gefunden!