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Gants Hill Underground Station: Ein Hauch Moskauer Architektur in London

Gants Hill Underground Station: Ein Hauch Moskauer Architektur in London

Wer in Gants Hill aus der Central Line steigt, erlebt eine Überraschung. Statt typisch britischer Zurückhaltung gibt es sowjetische Monumentalität. Die geschwungene, 46 Meter lange Bahnsteighalle mit ihrem Gewölbe wirkt wie ein unterirdischer Palast. Und das ist kein Zufall, denn Gants Hill ist sozusagen Londons Hommage an die berühmte Moskauer Metro.

Inspiration aus Ost und West 

Entworfen vom modernistischen Architekten Charles Holden, der maßgeblich für das ikonische Erscheinungsbild der Londoner U-Bahn verantwortlich ist, beginnt die Geschichte von Gants Hill in den 1930er-Jahren. Charles Holden war zu dieser Zeit als Berater nach Moskau gereist – und was er dort unter der Erde sah, hinterließ bei ihm eindeutig Spuren. Inspiriert von den opulenten Marmorkorridoren und Kuppeldecken der russischen Metro, brachte er einen Hauch dieser Pracht nach London.

Zwischennutzung im Zweiten Weltkrieg

Der Bau der Station begann im Jahr 1937. Im Juni 1940 wurden die Arbeiten wegen des Zweiten Weltkriegs jedoch eingestellt und die Station als Luftschutzbunker umfunktioniert. Auch die Tunnel waren schon fast fertig und fanden schnell eine neue Verwendung: Sie wurden kurzerhand als Munitionsfabrik genutzt. Erst nach Kriegsende konnten die regulären Bauarbeiten an der Station fortgesetzt werden. Am 14. Dezember 1947 öffnete Gants Hill schließlich ganz offiziell seine Tore für Reisende als Teil der U-Bahn-Erweiterung nach Newbury Park.

Ein verborgener Palast

Was die Station so besonders macht, bleibt von außen zunächst verborgen. Denn im Gegensatz zu Charles Holdens anderen ikonischen Bauten wie dem kreisförmigen Arnos Grove gibt es bei Gants Hill keine besondere Architektur an der Oberfläche. Das liegt auch daran, dass die Schalterhalle direkt unter einem viel befahrenen Kreisverkehr liegt. Sie ist nur über ein System von Fußgängertunneln erreichbar. Lediglich kleine Oberlichter bzw. Lüftungsaufbauten auf dem Kreisverkehr versorgen die Anlage mit Tageslicht und Frischluft – mehr ist von außen nicht sichtbar. 

Die spektakuläre Architektur offenbart sich erst, wenn man eine der Rolltreppen hinab zum Bahnsteig nimmt. Dann zeigt sich die Bahnsteighalle mit ihrem charakteristischen Tonnengewölbe, den prächtig gekachelten Säulen und den eleganten Bänken, die von der Mitte aus in alle Richtungen angeordnet sind. All das sorgt für eine Atmosphäre, die an die „Volkspaläste“ der Moskauer Metro erinnert – allen voran Stationen wie Krasnye Vorota, Okhotny Ryad oder Chistyye Prudy, die 1935 eröffnet wurden.

Die U-Bahn-Station mit ihrer großzügigen Raumwirkung war für Londoner Verhältnisse damals geradezu revolutionär. Während die meisten Stationen funktional und karg daherkamen, inszenierte sich Gants Hill als Ort der Begegnung und des Staunens. Die weiten, hohen Hallen sollten Fahrgästen das Gefühl geben, Teil von etwas Größerem zu sein. 

Eine Hommage an die Baukunst

Interessanterweise entstand Gants Hill in einer Zeit, die bald vom Kalten Krieg geprägt sein sollte. Denn schon zwei Jahre nach der Eröffnung der Station kam es 1949 zur Gründung der NATO. Der Bau der Station zeugt demnach auch von der Bewunderung, die britische Ingenieure und Architekten für die technischen Leistungen der UdSSR empfanden – ungeachtet politischer Differenzen.

Heute ist Gants Hill die östlichste vollständig unterirdische Station im gesamten Londoner U-Bahn-Netz. Sie liegt im Londoner Stadtteil Redbridge und in der Nähe befindet sich unter anderem der Valentines Park, der als einer der schönsten Parks Ostlondons gilt.

Ein wahres Schmuckstück – ohne Denkmalschutz

Trotz ihres architektonischen Werts steht die Station nicht unter Denkmalschutz – im Gegensatz zur benachbarten Station Redbridge. Es gibt jedoch öffentliche Aufrufe, auch Gants Hill diesen Schutzstatus zu gewähren. Denn die Station ist Zeugnis davon, wie sich verschiedene Einflüsse in der Architektur vereinen lassen – und daraus etwas Neues entsteht.

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