Herzlichen Glückwunsch an eine lebende Musiklegende!
Für die Musikwelt ist er nicht nur „Mr. Pink Floyd“, sondern auch als Solomusiker einer der ganz Großen: David Gilmour hat mit seinem unverkennbaren Gitarrensound und seiner Stimme die Kultband und die gesamte Rockgeschichte tief geprägt. Morgen feiert er seinen 80. Geburtstag und wir blicken zurück auf ein Leben, das nicht nur in musikalischer Hinsicht beeindruckt.
David Gilmour wurde am 6. März 1946 in Grantchester Meadows, einer ländlichen Ecke von Cambridge, geboren. Er wuchs mit drei Geschwistern in einem behüteten Elternhaus auf, der Vater war Uni-Professor, die Mutter Lehrerin. Die Gitarre wurde schon früh zu seiner großen Liebe, er brachte sich das Spielen als Teenager aus Büchern selbst bei. Auf dem College hatte er in Roger Barrett – „Syd“ genannt – einen musikalischen Seelenverwandten. Die beiden spielten in ihrer Freizeit viel miteinander, inspirierten sich und bestärkten sich in ihrer Liebe zur Musik.
1965 war Syd Mitbegründer der Band, die später Pink Floyd wurde. Er spielte gemeinsam mit Keyboarder Rick Wright, Drummer Nick Mason und dem Bassisten Roger Waters, während David zunächst weiter in seinen Bands wie Jokers Wild oder The Newcomers tourte. Drogenkonsum machte Syd, dem Wegbereiter des Psychedelic Rock, schon bald zu schaffen. Er bekam große psychische Probleme, die auch auf der Bühne unübersehbar wurden. David kam 1968 eigentlich nur zur vorübergehenden Verstärkung in die Band, doch nur wenige Konzerte später verließ Syd Pink Floyd. Roger Waters wurde zur treibenden Kraft, unterstützt von David Gilmour.
Sphärische Klänge und Gitarrenbending in Perfektion
Das Repertoire der Band hatte zunächst auf Coverversionen von R&B-Klassikern basiert. Der Rhythm and Blues wurde schon bald mit experimentellen Konstruktionen, mit atmosphärischen Elementen, mit Lärm, mit Licht verfremdet. Unter Waters wurden die Songs immer länger und episch, bekamen Space-Sound-Charakter.
David Gilmours Gitarre erzeugt Sphären-Sound, erzählt Geschichten. Doch er hält auch die Melodie und die Technik hoch. Niemand beherrscht das Bending wie er, zieht die Saiten in solch exakten Schritten wie er. Emotion in absoluter Präzision. Er bringt den Pausen zwischen den Noten genauso viel Achtung entgegen wie den Noten selbst. Ein Sound, der Gänsehaut erzeugt und den Atem anhalten lässt. Davids Gitarrensolos gehören zu den bekanntesten und besten der Welt, ob in Comfortably Numb (The Wall), in Time (The Dark Side of the Moon), in Shine On You Crazy Diamond (Wish You Were Here), in Dogs (Animals) oder in High Hopes (The Division Bell).
Mal spielt er hell, mal düster, mal aggressiv, mal atmosphärisch, aber immer emotional mit einem meisterhaften Gespür für die Melodie. Comfortably Numb gilt in der Rockwelt als bestes Gitarrensolo, das es je gab und in Shine On You Crazy Diamond zeigt er, dass man mit nur vier Tönen ein Meisterwerk erschaffen kann.
Nachdem Waters die Band 1985 verließ, übernahm David Gilmour die Leitung und Pink Floyd machte erfolgreich weiter. 2008 beim „Live 8“-Konzert in London durften sich Fans über eine Wiedervereinigung freuen – das letzte gemeinsame Konzert der erfolgreichen Vier.
Ein Leben neben Pink Floyd
David Gilmour war aber auch jenseits von Pink Floyd erfolgreich. Als Solomusiker veröffentlichte er fünf Alben, das letzte (Lucky and Strange) erst 2024. Auf seinen Live-Konzerten begeistert er seine Fans, das Konzert im antiken Amphitheater in Pompeii, das 2017 auch als Album „Live at Pompeii“ veröffentlicht wurde, ist legendär.
Das Privatleben hat David Gilmour stets vom Rampenlicht ferngehalten. Es war deutlich weniger turbulent, als es zu jener Zeit in der Rockszene oft zu erleben war. In erster Ehe war er von 1975 bis 1990 mit Virginia „Ginger“ Hasenbein, Model und Künstlerin, verheiratet. Vier Kinder hat er aus dieser Beziehung (Alice, Claire, Sara und Matthew). Seit 1994 ist die Schriftstellerin und Journalistin Polly Samson Davids Ehefrau. Mit ihr hat er drei leibliche Kinder (Joe, Gabriel und Romany), außerdem adoptierte er ihren Sohn Charlie. Polly schreibt seit den 90er-Jahren fast alle seine Songtexte.
Überwiegend lebt David Gilmour in West Sussex auf einer Farm, doch zu seinen bekanntesten Besitztümern gehört die Astoria, ein 27 Meter langes Hausboot auf der Themse bei London. Das kaufte er 1986 und baute es zu einem erstklassigen Aufnahmestudio um.
Schlagzeilen machte David Gilmour nicht nur mit seiner Musik, sondern auch durch sein philanthropisches Engagement: 2019 ließ er seine über 120 Gitarren umfassende Sammlung von Christie’s in New York versteigern und stiftete den Erlös von 21 Millionen US-Dollar komplett an die Klimaschutz-Organisation ClientEarth. 2003 spendete er durch den Verkauf eines seiner Häuser rund sechs Millionen Pfund für eine Organisation, die Obdachlosen zu Wohnungen verhilft.
Ebenfalls 2003 bekam David Gilmour den Order Of The British Empire (CBE) verliehen und darf sich „Commander“ nennen. Ob er es noch zum „Sir“ bringen wird? Wer weiß. Aber für seine Fans ist er sowieso das größte Juwel aller Zeiten, ein Crazy Diamond wie kein anderer. Happy Birthday, David Gilmour!


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