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Mehr als nur ein Trend: Wie junge UK-Labels die Mode verändern

Mehr als nur ein Trend: Wie junge UK-Labels die Mode verändern

Eine neue Generation britischer Labels setzt auf lokale Produktion, klare Schnitte und Materialien, die für länger gedacht sind als nur eine Saison und weniger mit Trends zu tun haben als mit nachhaltiger, funktionaler Kleidung.

Britische Mode wird dort interessant, wo neue Labels nicht auf Effekthascherei setzen, sondern auf hochwertige Verarbeitung, gute Stoffe und raffinierte Schnitte. Das gilt für Marken wie Toogood, Community Clothing und Studio Nicholson, die zwar sehr unterschiedlich arbeiten, sich aber in einem Punkt ähneln: Sie entwerfen Kleidung, die nicht über Dekor oder schnelle Modereize funktioniert, sondern über Form, Material und Alltagstauglichkeit.

Kleidung ohne Firlefanz und TamTam

Bei Community Clothing steht der Herstellungsort im Zentrum des gesamten Konzepts. Produziert wird in Großbritannien. Und genau das prägt auch die Kleidung selbst. Schlichte Mäntel, Chinos, Sweatshirts, Strick, Arbeitsjacken, T-Shirts. Nichts daran ist besonders exzentrisch, und gerade das macht Community Clothing so überzeugend. Die Marke entwirft keine red-carpet-taugliche Mode und keinen Influencer-Firlefanz, sondern Stücke, die oft, lange und ohne großes Aufheben getragen werden sollen. So etwas ist schwerer zu machen, als es aussieht!

Studio Nicholson arbeitet auf eine andere Weise ähnlich präzise. Hier steht weniger der Ort der Herstellung im Vordergrund als die Linie des Kleidungsstücks selbst. Die Kollektionen überzeugen mit konzeptionellem Minimalismus, wie man ihn eher aus Antwerpen als aus der klassischen britischen Mode kennt.

Man sieht diesen Entwürfen an, dass sie vom Stoff her gedacht sind. Ein schwereres Tuch verändert den Fall eines Mantels. Ein fester Baumwollstoff gibt einer Hose ihre Kontur. Ein Hemd funktioniert anders, wenn Schultern, Ärmellänge und Körperweite exakt austariert sind. Genau darin liegt die Qualität bei Studio Nicholson. Es geht nicht um Zutaten, sondern um Entscheidungen, die im Schnitt selbst sitzen. Wer so arbeitet, muss nicht jede Saison etwas komplett Neues liefern. Warum auch?

Zwischen Arbeitskleidung und Objekt

Toogood nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderrolle ein, weil die Marke von Anfang an stärker aus Design, Raum und Objekt heraus gedacht wurde als aus klassischer Konfektion. Das sieht man den Kleidungsstücken an. Viele Schnitte sind großzügig, manche fast skulptural, oft mit Anklängen an Arbeitskleidung, Künstlerkittel oder utilitaristische Formen, ohne je einfach nur funktional zu wirken.

Gerade deshalb war Toogood so wichtig für diese Entwicklung. Die Marke hat früh gezeigt, dass britische Kleidung nicht immer zwischen Tradition und modischem Effekt eingeklemmt bleiben muss und es zwischen Schwarz und Weiß unendlich viele Grauabstufungen gibt. Manche Stücke wirken fast wie Uniformen für Menschen, die mit den Händen arbeiten, andere wie reduzierte Sammlerstücke, die trotzdem tragbar bleiben.

Ein junges Londoner Label mit eigenem Takt

Talia Byre bringt eine andere Energie mit. Die Marke wurde 2020 von Talia Lipkin-Connor gegründet und gehört zu jenen jüngeren Londoner Labels, die in erstaunlich kurzer Zeit eine erkennbare Handschrift entwickelt haben. Das Runway-Debüt für Spring/Summer 2023 bei der London Fashion Week war deshalb weniger eine Überraschung als vielmehr eine Bestätigung. Rugbyshirts, Strick, Röcke, Kleider und Tailoring tauchen auf, aber in verschobenen Proportionen, mit grafischen Mustern, ungewöhnlichen Längen oder Details, die den Blick minimal verrücken.

Belfasts neue Selbstverständlichkeit

Ganz anders, aber nicht weniger gegenwärtig, arbeitet Kindred of Ireland. Die Marke kommt aus Belfast und knüpft direkt an die Geschichte des irischen Leinens an, ohne in Folklore oder sentimentale Handwerksromantik abzurutschen. Das ist vielleicht ihr größter Vorzug. Leinen, Donegal Tweed, traditionelle Techniken wie Irish Crochet oder Beetled Linen werden hier nicht als museales Erbe ausgestellt, sondern als Materialien und Verfahren, mit denen sich auch heute noch zeitgemäße, lässige Kleidung machen lässt.

Vieles wird lokal und teils nur auf Bestellung gefertigt, und genau darin liegt die Stärke des Labels. Hier wird im wahrsten Sinne des Wortes nichts für die Tonne produziert.

Was diese neue Generation gemeinsam hat

So unterschiedlich diese Marken sind, so viele gute Qualitäten teilen sie. Sie arbeiten mit klaren Schnitten, bevorzugen Materialien mit Substanz und vermeiden modische Überladung in Zeiten des materiellen Überflusses. Kleidung wird hier nicht als kurzlebige Saisonware behandelt, sondern als etwas, das mehrere Jahre getragen werden, aushalten und überstehen soll. Es geht weniger darum, jede Saison eine neue Identität auszurufen, sondern um die Rückkehr zur Handwerkskunst und zu Funktionskleidung, die gut gemacht ist, gut sitzt, gut altert.

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