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Irische Riviera – die Schwester der Côte d’Azur

Irische Riviera – die Schwester der Côte d’Azur

Wussten Sie, dass Irland seine eigene Riviera hat? Wir haben bereits hier die schottische Riviera beschrieben und bleiben nun auf den britischen Inseln. Die Küste von Cork wird seit langem als „Irish Riviera“ bezeichnet und steht landschaftlich der berühmten Riviera bei Nizza in nichts nach. Nun ja, wenn man von den Luft- und Wassertemperaturen einmal absieht…

Wo der Golfstrom für mildes Klima sorgt

Die Küste im Süden der Grafschaft Cork gehört zu den mildesten Regionen Irlands. Verantwortlich dafür ist unter anderem der Golfstrom, der das Klima an der Südwestküste beeinflusst. In geschützten Gärten gedeihen deshalb Pflanzen, die man eher in südlicheren Gefilden vermuten würde. Palmen, Baumfarne und andere exotische Gewächse verleihen manchen Orten tatsächlich einen Hauch von Mittelmeer.

Und auch die Landschaft passt zum Riviera-Vergleich: Immer wieder wechseln sich historische Orte, kleine Dörfer, Buchten und zerklüftete Küstenabschnitte ab. Wer hier unterwegs ist, erlebt allerdings nicht die mondänen Strandpromenaden von Nizza, sondern Irland in seiner ganz eigenen, deutlich wilderen Version.

Kinsale – die Perle am Meer

Ein besonders schöner Ausgangspunkt für eine Entdeckungstour ist Kinsale. Die historische Hafenstadt mit ihren bunten Häusern, engen Gassen und zahlreichen Restaurants wird selbst als „Irish Riviera town“ bezeichnet. Kinsale, auf Irisch Cionn tSáile, war einst ein bedeutender Hafen und spielte auch für die britische Marine eine wichtige Rolle. Heute schaukeln im Hafen Boote, in den Gassen reihen sich kleine Geschäfte und Galerien aneinander, und wer Hunger bekommt, findet ein überaus großes Angebot an Möglichkeiten. Tipp: Besuchen Sie das geschichtsträchtige Charles Fort aus dem 17. Jahrhundert.

Der Umhang der Frauen von Kinsale

Schon vor langer Zeit waren die Frauen von Kinsale für ihren besonderen Kleidungsstil bekannt. In Irland waren Kapuzenumhänge über Jahrhunderte ein beliebtes Kleidungsstück und konnten zugleich Wohlstand und sozialen Status zeigen. Je nach Region gab es unterschiedliche Farben und Ausführungen. Während diese traditionelle Kleidung im 19. Jahrhundert in vielen Teilen Irlands weitgehend verschwand, hielt man in West Cork daran fest. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden die Umhänge dort getragen. Der Kinsale Cloak galt dabei als besonders elegant: Typisch war das schwarze, aus schwerem Wollstoff gefertigte Kleidungsstück mit seiner auffälligen Kapuze. Und die hatte einen praktischen wie modischen Vorteil: Sie konnte hochgeschlagen oder zurückgelegt getragen werden. Der Umhang wurde oft innerhalb der Familie von der Mutter an die Tochter weitergegeben.

Von Kinsale zum Sheep’s Head

Wer von Kinsale weiter Richtung Westen fährt, erlebt bald die andere Seite der Irish Riviera. Die Küste wird rauer, die Buchten größer und die Landschaft ursprünglicher. Eine reizvolle Route führt über Clonakilty und Ballydehob bis hinter die Roaring Water Bay, wo die südwestlichen Halbinseln weit in den Atlantik ragen. Hier ist die Irish Riviera endgültig weit entfernt von Nizza – statt Palmenboulevards warten Klippen, Wind, Meer und spektakuläre Ausblicke.

Besonders lohnt sich ein Abstecher auf die Sheep's Head Peninsula, die zwischen Bantry Bay und Dunmanus Bay ins Meer hinausgreift. Was auf den ersten Blick wild und unzugänglich wirkt, hat eine überraschend sanfte Seite: Dank ihrer Lage am Golfstrom gilt die Halbinsel als eine der mildesten Regionen Irlands – und selbst Narzissen können dort bereits im Januar blühen.

Riviera mit irischem Charakter

Die Irish Riviera verspricht kein mediterranes Klima, sondern eine mediterrane Idee – milde Luft, exotische Pflanzen, hübsche Küstenorte und das Gefühl, dass der Süden Irlands manchmal ein kleines bisschen weiter südlich liegen könnte. Nur beim Sprung ins Meer sollte man sich den Vergleich mit Nizza noch einmal überlegen. Der Atlantik bleibt schließlich Atlantik. Und so darf die Irish Riviera ihren Namen behalten: nicht als Kopie der Côte d’Azur, sondern als ihre ganz eigene, grüne und wilde irische Schwester.

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