Märchenhafte Türme, 189 Zimmer, prachtvolle Gärten und eine Falknerei mit atemberaubendem Greifvogelbestand: Dunrobin Castle hat alles zu bieten, was man von einem Märchenschloss erwartet. Doch weder die Brüder Grimm noch Hollywood oder Disneyland haben es erdacht. Dunrobin Castle ist jedoch ganz real und seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück.
Bis heute gehört Dunrobin Castle zu den ältesten durchgehend bewohnten Häusern Großbritanniens. Auf der Website des Schlosses begrüßt Lord Sutherland die Besucher mit persönlichen Worten. Das Schloss ist seit über siebenhundert Jahren das Zuhause seiner Vorfahren, schreibt er stolz.
Ein Schloss wie aus einem Märchenbuch
Mit seinen hoch aufragenden Türmen, den spitzen Kegeldächern und der beeindruckenden Fassade erinnert das Schloss an ein französisches Château. Tatsächlich liegt Dunrobin Castle jedoch an der Ostküste der schottischen Highlands, oberhalb des Moray Firth und unweit der Ortschaft Golspie. Es ist das größte Anwesen in den nördlichen Highlands mit sage und schreibe 189 Zimmern.
Hinter dieser märchenhaften Kulisse verbirgt sich eine bewegte Geschichte, die mehrere Jahrhunderte umfasst und bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Schon seit damals ist Dunrobin Castle mit der Familie Sutherland verbunden, als Festung der Familie wurde es 1401 erstmals ausdrücklich erwähnt. „Dun Robin“ bedeutet auf Gälisch so viel wie „Robins Hügel“ oder „Robins Festung“ und könnte auf Robert, den sechsten Earl of Sutherland, zurückgehen.
Von der mittelalterlichen Festung zum eleganten Landsitz
Das ursprüngliche Bauwerk hatte allerdings wenig mit dem eleganten Schloss von heute gemein. Es handelte sich anfangs um einen quadratischen, befestigten Wohnturm mit rund sechs Fuß dicken Mauern und einer gewölbten Decke. Hoch oben an einer Klippe gelegen, bot er eine wehrhafte Zuflucht. Erst nach und nach kamen weitere Gebäudeteile hinzu und die Anlage wurde über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg kontinuierlich erweitert.
Den entscheidenden Wandel leitete 1845 der Architekt Sir Charles Barry ein, der auch für den Entwurf des Palace of Westminster, des Sitzes des britischen Parlaments in London, bekannt ist. Er sollte Dunrobin von einer Festung in einen repräsentativen Adelssitz verwandeln und verband den schottischen Baronialstil mit französischen Einflüssen. Auch die Gärten erhielten ein neues Gesicht, das sich am berühmten Schloss Versailles orientierte. Bis heute ist diese ursprüngliche Gartengestaltung durch Charles Barry weitgehend erhalten geblieben.
Erneuerung im 20. Jahrhundert
Nach einem Brand im Jahr 1915, der große Schäden am Schloss anrichtete, gestaltete der schottische Architekt Sir Robert Lorimer unter anderem Teile der Türme im Stil der schottischen Renaissance und prägte das heutige Erscheinungsbild wichtiger Innenbereiche, die man als Besucher staunend besichtigen kann.
Dunrobin Castle war im letzten Jahrhundert aber nicht durchgehend ein Adelssitz. Während des Ersten Weltkriegs diente es als Marinehospital und von 1965 bis 1972 beherbergte es ein Jungeninternat. Erst danach kehrte das Anwesen wieder zu seiner Funktion als Familiensitz zurück.
Gartenpracht mit französischem Flair
Geometrisch angelegte Beete, kreisrunde Wasserbecken und Springbrunnen verleihen den Gartenanlagen eine elegante Atmosphäre, gleichzeitig überraschen sie aber auch mit einer erstaunlichen Pflanzenvielfalt. Das milde Klima in dieser Region ermöglicht das Wachstum von Pflanzen, die man in solch nördlicher Lage vielleicht nicht erwarten würde.
Ein besonders eindrucksvoller Blickfang ist die Riesenrhabarberpflanze Gunnera manicata mit Blättern, die durchaus einmal eine Spannweite von rund 2,4 Metern erreichen können. Fuchsien fühlen sich hier ebenso wohl wie Tulpen, Dahlien, Toskanischer Lorbeer, Mehlbeeren und viele weitere Pflanzenarten.
Flugakrobatik vor historischer Kulisse
Ein besonderes Erlebnis erwartet die Besucher von Dunrobin Castle auf dem Schlossrasen: die Falknerei. Ein erfahrener Falkner stellt dort die jahrhundertealte Kunst, Greifvögel für die Jagd abzurichten, vor. Dabei lassen sich verschiedene Greifvögel wie Wanderfalken, Gerfalken und Harrisbussarde aus nächster Nähe erleben. Der Falkner erläutert die unterschiedlichen Jagdtechniken von Eulen, Habichten und Falken, während die Tiere ihre beeindruckenden Flugkünste zeigen.
Wer die schottischen Highlands erkundet, findet hier einen Ort, an dem sich eindrucksvolle Architektur und die besondere Landschaft Sutherlands begegnen. Ob bei der Besichtigung des Schlosses, beim Spaziergang zwischen den Blumenbeeten, beim Blick auf die Türme oder beim Beobachten eines Greifvogels im Flug: Dunrobin Castle beweist, dass Geschichte keineswegs langweilig sein muss.
Das Schloss ist jährlich vom 1. April bis zum 31. Oktober geöffnet. Zweimal täglich finden Falknerei-Vorführungen statt. Wer das Schloss besucht, sollte unbedingt genügend Zeit einplanen, denn es gibt viel zu entdecken!


Suche







Leserbriefe (0)
Keine Leserbriefe gefunden!