Ein amerikanischer Cowboy und eine britische Königin: Was wie der Beginn eines Western-Märchens klingt, ist die wahre Geschichte von Queen Elizabeth II. und dem Pferdetrainer Monty Roberts.
Monty Roberts: Ein Leben auf dem Pferd
Roberts wurde am 14. Mai 1935 in Salinas, Kalifornien, geboren und wuchs dort auf. Schon als Kleinkind saß er im Sattel, mit vier Jahren nahm er an seinen ersten Rodeos teil – Pferde prägten sein Leben von Anfang an. In den 1940er-Jahren arbeitete er bereits in Hollywood-Western mit. Doch was er später aus seiner Leidenschaft für Pferde machte, sollte weit über die amerikanische Ranchwelt hinaus bekannt werden. Roberts störte sich an den damals verbreiteten Methoden, mit denen Pferde zugeritten und gebrochen wurden. Er wollte nicht den Willen eines Tieres brechen, sondern seine Sprache verstehen. Aus seinen Beobachtungen entwickelte er eine sanfte Methode, die er „Join-Up“ nannte. Dabei versucht der Mensch, über Körpersprache eine Verbindung zum Pferd aufzubauen, sodass dieses ihm freiwillig folgt. Von seinen Methoden hatte auch das Königshaus in Windsor sprichwörtlich „Wind“ bekommen.
Ein königlicher Spion zu Besuch beim Cowboy
Eine erste Einladung nach Windsor folgte, doch ganz traute man dem amerikanischen Cowboy am Hof zunächst nicht. Queen Elizabeth II. ließ ihren Pferdemanager Sir John Miller nach Kalifornien reisen, um Roberts' Arbeit zu begutachten. Er sollte herausfinden, ob hinter den ungewöhnlichen Methoden tatsächlich etwas steckte. Dann kam Roberts nach Windsor, wo 23 untrainierte Pferde auf ihn warteten. Vor rund 200 Zuschauern sollte ein dreijähriges Pferd zum ersten Mal Sattel und Reiter akzeptieren. Nach Roberts' eigener Erinnerung dauerte es gerade einmal rund 27 Minuten. Die Queen Mum soll nach der Vorführung Tränen in den Augen gehabt haben. Auch Queen Elizabeth II. zeigte sich beeindruckt. Aus der anfänglichen Skepsis wurde Vertrauen – und aus dem Pferdetrainer aus Kalifornien bald ein gern gesehener Gast. Queen Elizabeth II. ließ ihn weitere Pferde trainieren und half ihm dabei, seine Methode international bekannt zu machen.
„There must be a book“
Besonders schön ist eine Szene, die Roberts später selbst schilderte. Nach einer gemeinsamen Tour durch Großbritannien soll Queen Elizabeth II. zu ihm gesagt haben: „There must be a book. It should be published in as many countries and languages as possible.“ Es müsse ein Buch geben. Und dieses Buch solle in möglichst vielen Ländern und Sprachen erscheinen. Sein Buch „The Man Who Listens to Horses“ wurde zu einem internationalen Bestseller und machte den Pferdeflüsterer schließlich weltweit bekannt. Ohne ihre Unterstützung, sagte er später, hätte er seine Botschaft wohl niemals in diesem Ausmaß in die Welt tragen können.
Briefverkehr über drei Jahrzehnte
Aus der Zusammenarbeit wurde eine persönliche Freundschaft. Roberts und Elizabeth II. standen über viele Jahre miteinander in Kontakt. Dazu gehörten persönliche Besuche, zahlreiche Telefongespräche und ein Briefverkehr, der über Jahrzehnte anhielt. Auch handgeschriebene Briefe und Weihnachtsgrüsse gehörten dazu.
2011 wurde Roberts sogar zum Honorary Member of the Royal Victorian Order ernannt – eine besondere Auszeichnung für seine Dienste für die königliche Familie.
Verfilmung dieser königlichen Freundschaft
Diese besondere Geschichte wurde inzwischen auch verfilmt: Der Dokumentarfilm „The Cowboy and the Queen“ erzählt vom Leben Monty Roberts' und von seiner jahrzehntelangen Verbindung zu Queen Elizabeth II. Dass ausgerechnet eine Legende des amerikanischen Pferdetrainings und die britische Monarchin dabei zu Freunden wurden, klingt fast wie ein Drehbuch. Doch die Geschichte ist tatsächlich so ungewöhnlich, wie sie sich anhört.
Wie eng die Beziehung tatsächlich war, zeigte sich besonders nach dem Tod der Queen im September 2022. Roberts sagte damals, er wolle sie nicht loslassen – sie werde ihn jeden Augenblick seines weiteren Lebens begleiten. Über ihre Freundschaft meinte er später: „Our relationship was as close as it could possibly be.“ Zugleich betonte er, dass es sich um eine besondere, auf gegenseitigem Respekt beruhende Verbindung gehandelt habe. Im Juli 2026 folgte Monty Roberts der Queen im Alter von 91 Jahren. Geblieben ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft – und eine besondere Idee vom Umgang mit Pferden.


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