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Zum Tod von Jeffrey Archer – ein Leben wie ein Roman

Zum Tod von Jeffrey Archer – ein Leben wie ein Roman

Sein Leben hätte nicht nur für einen Roman gereicht, sondern für eine ganze Buchreihe – oder, wie Jeffrey Archer manche seiner mehrbändigen Werke nannte, für eine Saga. Am 5. Oktober 2026 ist der britische Bestsellerautor und ehemalige Politiker Jeffrey Archer im Alter von 86 Jahren friedlich zu Hause gestorben – zwischen zwei Schreibphasen.

Fast könnte man meinen, auch diesen letzten ungewöhnlichen Zufall hätte sich ein Schriftsteller ausgedacht: Nur einen Tag später, am 6. Oktober, erscheint mit „Adam & Eve“ Jeffrey Archers letzter Roman. Damit endet eine schriftstellerische Karriere, die genau 50 Jahre zuvor mit seinem Debüt „Not a Penny More, Not a Penny Less“ begonnen hatte.

Jeffrey Archer wurde am 15. April 1940 in London geboren und wuchs in Weston-super-Mare auf. Schon sein eigenes Leben war geprägt von außergewöhnlichen Geschichten, Erfolgen, Niederlagen, Skandalen und Neuanfängen.

Ob dabei immer alles genauso war, wie Archer selbst oder manche Medien es erzählten, lässt sich bis heute nicht abschließend beurteilen. Bei ihm vermischten sich Fiktion und Realität nicht nur in seinen literarischen Werken.

Bereits seine Familiengeschichte bot Stoff für einen Roman. Sein Vater William war bei Jeffreys Geburt bereits 64 Jahre alt und soll Bigamist, Betrüger und Hochstapler gewesen sein. Seine Mutter wiederum sorgte dafür, dass ihr Sohn schon als Kind regionale Bekanntheit erlangte. In ihrer wöchentlichen Kolumne „Over the Teacups: News and Jottings for Women“ in der Lokalzeitung „Weston Mercury“ schrieb sie regelmäßig über Jeffrey, den sie dort „Tuppence“ nannte. Was seine Bekanntheit steigerte, brachte ihm allerdings auch Spott seiner Mitschüler ein.

Nach der Schule in Somerset folgten verschiedene Tätigkeiten, darunter die Grundausbildung bei der Armee und Jobs als Sportlehrer. 1963 erhielt Jeffrey Archer einen Studienplatz in Oxford. Dort machte er vor allem als Leichtathlet auf sich aufmerksam und wurde Präsident des Oxford University Athletic Clubs.

Außerdem entdeckte er ein Talent, das ihn sein Leben lang begleiten sollte: das Spendensammeln. So gelang es ihm beispielsweise, die Beatles für eine Spendenaktion der Hilfsorganisation Oxfam zu gewinnen.

Vom Parlament zum Bestsellerautor

Ende der 1960er-Jahre begann Archers politische Karriere. Zunächst wurde er Londoner Stadtrat für die Konservativen, Ende 1969 gewann er bei einer Nachwahl für die Conservative Party den Parlamentssitz von Louth in Lincolnshire.

1974 wurde zum Wendepunkt seines Lebens. Durch eine Finanzkrise verlor Archer sein Vermögen und hatte erhebliche Schulden. Bei der nächsten Parlamentswahl trat er nicht mehr an.

Stattdessen begann er zu schreiben.

Sein erster Roman „Not a Penny More, Not a Penny Less“ erschien zunächst in den USA und 1976 auch in Großbritannien. Auf Deutsch wurde das Buch unter dem Titel „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ veröffentlicht.

Es folgten „Shall We Tell the President?“ (1977), „Kane and Abel“ (1979, dt. „Kain und Abel“) und „The Prodigal Daughter“ (1982, dt. „Abels Tochter“). Besonders „Kain und Abel“ machte Jeffrey Archer weltweit bekannt.

Doch auch die Politik ließ ihn nicht los. In den 1980er-Jahren kehrte er zurück und wurde 1985 von Margaret Thatcher zum stellvertretenden Vorsitzenden der Conservative Party ernannt.

Seine politische Karriere verlief allerdings mindestens so turbulent wie manche seiner Romane. Nach verschiedenen Kontroversen und Schlagzeilen trat er von seinem Parteiamt zurück.

Parallel dazu schrieb er weiter: Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Kinderbücher. Für sein langjähriges gesellschaftliches und karitatives Engagement wurde er 1992 als Baron Archer of Weston-super-Mare zum Life Peer ernannt und damit Mitglied des britischen House of Lords.

Der tiefe Fall

Ende der 1990er-Jahre versuchte Jeffrey Archer noch einmal, in die erste Reihe der britischen Politik zurückzukehren. Er wollte für das Amt des Londoner Bürgermeisters kandidieren.

Doch seine Vergangenheit holte ihn ein.

Im Mittelpunkt stand ein früherer Verleumdungsprozess gegen die Zeitung „Daily Star“, den Archer 1987 gewonnen hatte. Später stellte sich heraus, dass er dabei gelogen und falsche Beweise vorgelegt hatte.

Im Jahr 2001 wurde Jeffrey Archer wegen Meineids und Rechtsbeugung zu vier Jahren Haft verurteilt.

Auch daraus machte er Literatur.

Während seiner Haftzeit führte er Tagebuch. Daraus entstanden drei Bücher, benannt nach den Gefängnissen beziehungsweise Haftstationen, in denen er untergebracht war: „Hell – Belmarsh“, „Purgatory – Wayland“ und „Heaven – North Sea Camp“.

Nach rund zwei Jahren wurde er 2003 vorzeitig entlassen.

Anschließend konzentrierte er sich weitgehend auf seine schriftstellerische Arbeit.

Zwei große Sagas im späteren Leben

Mit über 70 Jahren stellte sich Archer einer seiner größten literarischen Herausforderungen. Zwischen 2011 und 2016 veröffentlichte er die siebenteilige „Clifton-Saga“.

Im Mittelpunkt steht Harry Clifton, geboren 1920 in Bristol, dessen Lebensweg eng mit dem der wohlhabenden Schiffbauerfamilie Barrington verbunden ist. Liebe, Geheimnisse und Macht verweben sich mit den großen politischen Ereignissen der europäischen Geschichte vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Und Jeffrey Archer dachte auch danach nicht ans Aufhören.

2019 erschien mit „Nothing Ventured“ der erste Roman seiner Reihe um William Warwick, der deutschen Leserschaft als „Schicksal und Gerechtigkeit“ bekannt.

Als wir Jeffrey Archer 2020 anlässlich seines 80. Geburtstags in unserem Blog porträtierten, hatte diese Saga gerade erst begonnen. Inzwischen ist sie abgeschlossen.

Auf „Nothing Ventured“ folgten sieben weitere Romane. William Warwick steigt darin im Laufe von mehreren Jahrzehnten vom jungen Polizisten bis in die höchsten Ränge der Metropolitan Police auf. 2025 erschien mit „End Game“ der achte und letzte Band der Reihe, seit Juli 2026 ist er unter dem Titel „Endspiel“ auch auf Deutsch erhältlich.

Noch mit Mitte achtzig veröffentlichte Archer praktisch jedes Jahr ein neues Buch.

Der letzte Roman

2026, im 50. Jahr seiner Karriere als Schriftsteller, kehrte Jeffrey Archer noch einmal zu einem großen historischen Stoff zurück.

In seinem letzten Roman „Adam & Eve“ werden am 11. November 1918, dem Tag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs, zwei Kinder geboren: der Sohn eines Schäfers und die Tochter eines Earls.

Ihre Lebenswege könnten unterschiedlicher kaum beginnen. Doch ihre Geschichte führt sie gemeinsam in die dramatischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs.

Archer selbst hatte bereits Anfang 2026 angekündigt, dass „Adam & Eve“ sein letzter Roman sein sollte.

Dass das Buch nun ausgerechnet am Tag nach seinem Tod erscheint, ist eine jener Wendungen, die man in einem Roman kaum für glaubwürdig halten würde.

Jeffrey Archer hinterlässt ein umfangreiches Werk aus Romanen, Kurzgeschichten, Theaterstücken, Kinderbüchern und seinen Gefängnistagebüchern. Seine Bücher verkauften sich weltweit mehr als 300 Millionen Mal.

Vor allem aber blieb er bis zuletzt das, was er über ein halbes Jahrhundert lang gewesen war: ein Geschichtenerzähler.

Ein Leben wie ein Roman ist zu Ende gegangen.

Die Geschichten bleiben.

 

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