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Zwischen Wahnsinn und Genie: Geschichte des Oxford Dictionary

Das nennt man wohl ein Lebenswerk: 34 Jahre arbeitete der schottische Gelehrte James Murray im 19. und frühen 20. Jahrhundert an einem Wörterbuch, das auch heute noch alle Welt kennt: am Oxford English Dictionary. Ein kurioses Kapitel der Entstehungsgeschichte ist die Vorlage zu einem neuen Film mit Mel Gibson und Sean Penn: „The Professor and the Madman“, der Professor und der Irre (der genaue deutsche Titel steht aber noch nicht fest). Murray ließ sich von einem hoch gebildeten, aber geisteskranken Amerikaner unterstützen, der mehr als die Hälfte seines Lebens in der geschlossenen Psychiatrie verbrachte: William Chester Minor hatte im Wahn einen Passanten erschossen und war für unzurechnungsfähig erklärt worden – nach heutiger Erkenntnis litt er an Schizophrenie.

Gibson, sehr bärtig und professoral, spielt Murray und hat sich im Original dafür einen schottischen Akzent antrainiert, den man, wie die Briten so sagen, mit dem Messer schneiden könnte. Sean Penn, nicht minder bärtig, gibt den zwischen Wahnsinn und Genie schwankenden Minor. Ein Trailer ist hier zu sehen, bisher nur in Englisch: www.youtube.com/watch?v=H5HqMbxJR1Y. Der Film ist auch in den Nebenrollen prominent besetzt. Dass er nicht längst im Kino läuft, hat mit einem Rechtsstreit zu tun, der aber inzwischen beigelegt wurde.

Wörterbücher in irgendeiner Form gab es in England übrigens schon seit dem Mittelalter, zunächst enthielten sie nur lateinische Begriffe. Aber ein solch umfassendes Werk wie das „OED“ war Neuland. Murray, 1837 als Sohn eines Schneiders geboren, hatte einen besonderen Ehrgeiz: Er wollte nicht nur das in Großbritannien, sondern auch das in Amerika und den damaligen Kolonien gesprochene Englisch dokumentieren und außerdem die Entstehungsgeschichte von Begriffen und Bedeutungswandel mit ins Buch aufnehmen, alles belegt mit Literaturzitaten. Es war klar, dass eine solche Mammutaufgabe niemals allein zu bewältigen war. So suchte er sich tausende Mitstreiter auf ziemlich unkonventionelle Art: Er ließ Zettel mit Aufrufen, am Lexikon mitzuwirken, in Bücher einlegen. Auf einen davon meldete sich Minor.

Das Projekt hatte jedenfalls Erfolg. Ein erster Teilband, Buchstaben A bis Ant, erschien 1884, die komplette Version in Erstauflage 1928. Da war Murray schon nicht mehr am Leben. Sein Werk aber wächst und gedeiht, jetzt auch und vor allem online, und wird jedes Jahr um neue Begriffe ergänzt. Bis heute ist es mit mehr als 600.000 Schlagworten und Erläuterungen dazu die umfassendste Dokumentation der englischen Sprache. Mehr: www.oed.com    

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